Herzneurose: die Angst vor einem kranken Herz

Bertolt Brecht litt offenbar schon als junger Mann daran, auch der österreichische Schriftsteller Egmont Colerus von Geldern (1888-1939): Herzschmerzen, Panikattacken, Todesangst. Dies sind typische Symptome einer Herzneurose (auch Herzphobie oder Herzangst), die vor allem Männer zwischen 30 und 40 Jahren, gelegentlich selbst schon 18- und 20-Jährige, trifft.

Zauberwürfel mit Herz © Thinkstock/vitapublic GmbH

Die Herzschmerzen sind real

Die Herzschmerzen und die Angstattacken dauern zwischen einer und 60 Minuten und steigern sich in ihrer Intensität manchmal bis zur Todesangst. Auch wenn alle körperlichen Untersuchungen normal ausfallen, sind die Herzschmerzen für den Patienten sehr real. Der US-amerikanische Internist Jakob Mendes Da Costa beobachtete die Symptome einer Herzneurose erstmals 1871 an einem amerikanischen Bürgerkriegssoldaten, weshalb das Leiden auch Da-Costa-Syndrom genannt wird.

Die Panikattacken können jederzeit auftreten

Die Herzneurose ist eine Panikstörung, allerdings keine klassische Phobie, bei der Angst vor Vermeidbaren besteht – etwa Hunden, Spinnen, Fahrstühlen, weiten Plätzen oder großer Höhe. Die Panikattacken sind unberechenbar: Sie können jederzeit und unvermittelt auftreten. Aus Angst vor einer Herzkrankheit lassen die Patienten immer wieder alle möglichen Untersuchungen über sich ergehen.

Wenn eine Trennung zu Herzen geht

Auslöser für eine Herzneurose sind häufig Trennungsschmerz, etwa durch den Tod eines geliebten Menschen, oder enge Bezugspersonen, die an einer Herzkrankheit erkrankt oder gestorben sind. Insgesamt leiden in Deutschland 100.000 Menschen unter einer Herzneurose. Der medizinische Begriff für die Herzneurose lautet „Funktionelles Kardiovaskuläres Syndrom“.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.09.2017
  • Autor/in: Dr. Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin, Charité, Universitätsmedizin - Berlin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité, Universitätsmedizin - Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Handbuch der Inneren Medizin, G. Herold, Eigenverlag 2005
  • Lehrbuch der psychosomatischen Medizin, T. Uexküll, Urban
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung