Eine chronische Herzinsuffizienz entwickelt sich oft schleichend

Wenn das Herz allmählich schwächer wird, so merkt man das nicht von einem Tag auf den anderen. Menschen mit angeborenen Herzfehlern oder nach Herzklappen-Operation kennen sich und ihr Herz oft so gut, dass sie genau einschätzen können, wie stark sie sich belasten dürfen, um keine Beschwerden zu bekommen. Anders ist es bei Patienten mit Bluthochdruck oder einer koronaren Herzkrankheit: Da diese Erkrankungen anfangs oft nicht spürbar sind, fehlt auch das Gefühl dafür, was das erkrankte Herz noch zu leisten vermag.

Herzinsuffizienz: Wenn die gewohnte Belastung zur Qual wird

Eine Herzschwäche macht sich meist mit Luftnot bei starker Belastung bemerkbar. Wenn Sie etwa im Urlaub gern auf Berge klettern und die Touren bisher immer mühelos bewältigt haben, dann können ein neu auftretendes „Nach-Luft-Schnappen“ und schnelle Erschöpfung ein Zeichen für eine beginnende Herzinsuffizienz sein.

Welche Beschwerden auftreten, ist davon abhängig, ob nur eine Herzkammer (Links- oder Rechtsherzinsuffizienz) oder beide Herzhälften (Globalinsuffizienz) betroffen sind und wohin sich das Blut zurückstaut.

Symptome – Daran erkennen Sie eine Herzinsuffizienz:
  • Atemnot und körperliche Schwäche
  • teigige Schwellungen an den Knöcheln und Unterschenkeln (beim Eindrücken bleibt eine Delle zurück)
  • häufiges Wasserlassen nachts
  • nächtlicher Husten, der zum Aufsetzen zwingt
  • Leibschwellung durch Leberstauung und Wasseransammlung im Bauchraum
  • hervortretende Halsadern.

Die Diagnose – Daran erkennt der Arzt eine Herzinsuffizienz:
  • feuchtes Rasselgeräusch beim Abhören der Lunge
  • körperliche Zeichen wie Kurzatmigkeit, Wassereinlagerungen an Beinen und Leib, Halsveneneinflussstauung
  • typische Zeichen einer zugrunde liegenden Herzerkrankung im EKG, der Echokardiografie, evtl. in der MRT oder bei der Herzkatheteruntersuchung, außerdem oft eine Herzvergrößerung und Zeichen der Lungenstauung im Röntgen des Brustkorbes.
Die vier Schweregrade der chronischen Herzinsuffizienz (nach den Empfehlungen der New York Heart Association):
  • NYHA I: Keine Beschwerden wie Luftnot, Schwäche und Angina pectoris bei normaler Belastung (längeres Gehen, Treppensteigen)
  • NYHA II: Keine Beschwerden in Ruhe. Leichte Beschwerden wie Luftnot, Schwäche und Angina pectoris bei normaler Belastung, Leistungsminderung.
  • NYHA III: Keine Beschwerden in Ruhe. Beschwerden schon bei geringer Belastung wie einfachem Gehen.
  • NYHA IV: Beschwerden bestehen bereits in Ruhe und nehmen bei geringster Belastung wie Ankleiden zu.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.09.2012
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Patientenleitlinie Herzinsuffizienz der Universität Witten/Herdecke, Stand 2006
  • Kompetenznetz Herzinsuffizienz: www.knhi.de, Stand 2007
  • Hoppe, U.C.: Leitliniengerechte Therapie der chronischen Herzinsuffizienz, Der Internist, 2007, online first
  • Ebelt, H., Werdan, K.: Notfalltherapie der akuten Herzinsuffizienz, Der Internist, 2007, online first
  • Leitliniengruppe Hessen: Hausärztliche Leitlinie Chronische Herzinsuffizienz, Stand 2007
  • Kempf, T., Drexler, H., Wollert, K.C.: Pathophysiologie der Herzinsuffizienz, Der Internist, 2007, online first
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