Wie eine Herzinsuffizienz entsteht

Die Herzinsuffizienz ist eine tückische Krankheit: Der Patient bemerkt sie erst, wenn das Herz ernsten Schaden genommen hat. Wissenschaftler arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, die Krankheit bereits zu erkennen, wenn der Patient noch gar nichts spürt.

Bluthochdruck und Co. stellen die Weichen auf Wachstum

Bei einer chronischen Herzinsuffizienz verändern sich Größe und Geometrie des Herzens, egal, welche Erkrankung zugrunde liegt. Die Grundkrankheit setzt bestimmte Kettenreaktionen in Gang, an deren Ende die Herzmuskelzellen das Signal zum Wachsen erhalten. Mit dem Wachstum lagert jede einzelne Zelle außerdem zusätzliche Zellbestandteile für die Muskelarbeit ein.

Herzgröße allein ist kein Maß für Gesundheit

Im Gegensatz zum Sportlerherz, bei dem der wachsende Herzmuskel immer besser mit Sauerstoff versorgt wird, hinkt beim krankhaften Herzwachstum die Sauerstoffversorgung der Zunahme der Wanddicke hinterher. Die Folge: Muskelzellen gehen aufgrund von Sauerstoffmangel zugrunde und werden durch Bindegewebe ersetzt, welches für die Herzarbeit nutzlos ist.

Bei krankhafter Dauerbelastung etwa durch Bluthochdruck werden aber nicht nur abgestorbene Muskelzellen durch Bindegewebe ersetzt, sondern die Zellzwischenräume werden ebenfalls damit ausgefüllt. Dadurch wird die Wand weniger dehnbar und verliert an Kraft.

Frauenherzen schlagen anders

Verliert der Hohlmuskel an Elastizität, kann er während der Erschlaffungsphase weniger Blut aufnehmen. Dadurch erreicht weniger Sauerstoff die Körperzellen und damit auch den Herzmuskel: Der krankhafte Prozess wird beschleunigt. Irgendwann erlahmt das Herz und schafft es nicht mehr, das in den Kammern gesammelte Blut auszuwerfen.

Aber Herzinsuffizienz ist nicht gleich Herzinsuffizienz: Während bei Männern meist die Schlagkraft nachlässt, steht bei Frauen die gestörte Dehnbarkeit im Vordergrund.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.09.2012
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Patientenleitlinie Herzinsuffizienz der Universität Witten/Herdecke, Stand 2006
  • Kompetenznetz Herzinsuffizienz: www.knhi.de, Stand 2007
  • Hoppe, U.C.: Leitliniengerechte Therapie der chronischen Herzinsuffizienz, Der Internist, 2007, online first
  • Ebelt, H., Werdan, K.: Notfalltherapie der akuten Herzinsuffizienz, Der Internist, 2007, online first
  • Leitliniengruppe Hessen: Hausärztliche Leitlinie Chronische Herzinsuffizienz, Stand 2007
  • Kempf, T., Drexler, H., Wollert, K.C.: Pathophysiologie der Herzinsuffizienz, Der Internist, 2007, online first
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