Herzinfarkt-Therapie: von Herzkatheter bis Stent

Patienten mit einem akuten Herzinfarkt werden in der Regel im Krankenhaus auf der Intensivstation behandelt. Ist es möglich, den Patienten innerhalb der ersten 60 bis 90 Minuten nach dem Herzinfarkt in ein Krankenhaus zu bringen, in dem eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt werden kann, wird als Mittel der Wahl die primäre PCI (perkutane Koronarintervention) angestrebt.

Dabei ist der Katheter nicht nur ein Diagnoseinstrument, sondern er wird benutzt, um verstopfte Herzkranzgefäße wieder durchgängig zu machen. Über eine Einstichstelle in der Leistengegend oder der Ellenbeuge wird ein sehr dünner Plastikschlauch durch eine Schlagader in Richtung Herz geschoben. Der Patient ist dabei örtlich betäubt. Die Behandlung läuft für ihn daher weitgehend schmerzfrei ab. Der Schlauch kann bis in die Herzkranzgefäße geschoben werden. Dann gibt es zwei Möglichkeiten, mithilfe des Katheters die Engstelle zu beseitigen.

Ballondilatation

Über die Einstichstelle wird ein Draht direkt bis zur verengten Stelle geschoben. Dieser Draht dient als Führungsschiene für einen lediglich einen Millimeter dicken Ballonkatheter. Dieser wird nun direkt in die Gefäßverengung eingeführt. Unmittelbar hinter der Spitze des Katheters befindet sich ein Ballon. Dieser wird kurz – für maximal eine Minute – aufgeblasen, und zwar unter hohem Druck von zirka zehn bar (zum Vergleich: Autoreifen sind mit zirka 2,5 bar aufgepumpt). So drückt der Ballon die meist weichen arteriosklerotischen Ablagerungen von innen nach außen an die Gefäßinnenwand. Gleichzeitig dehnt er die Herzkranzader auf. Weil der Durchmesser des Gefäßes größer wird, kann wieder vermehrt Blut fließen und den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen.

Genau wie beim Einsatz des Katheters zu diagnostischen Zwecken wird der gesamte Vorgang der Ballondilatation (PCTA) am Röntgenbildschirm beobachtet. Dadurch kann auch relativ rasch beurteilt werden, ob die Gefäße ausreichend aufgedehnt wurden. Manchmal muss der Ballon mehrere Male aufgeblasen werden, um den gewünschten Erfolg herbeizuführen.

Die Ballondilatation kommt dann infrage, wenn nur eines der drei großen Herzkranzgefäße verstopft ist. Die Engstelle sollte nicht länger als zehn Zentimeter sein. Ist das Gefäß so sehr verengt, dass der Ballon nicht mehr hindurch passt, ist diese Methode ungeeignet.

Risiken und Chancen der Behandlung

Die Ballondilatation ist ein Eingriff direkt am Herzen und birgt durchaus Risiken und Nebenwirkungen.
  • Wenn der Ballon aufgeblasen wird, verschließt er die Ader kurzfristig. Der Patient verspürt einen unangenehmen Druck.
  • Ähnlich wie bei der Diagnostik mittels Katheter können Herzrhythmusstörungen auftreten. Diese bekommen die Ärzte aber meist gut in den Griff.
  • Sehr selten kann die PTCA-Behandlung einen erneuten Herzinfarkt auslösen, wenn der Thrombus versehentlich weiter in das Gefäß vorgeschoben wird. Aber auch hier können die Ärzte schnell reagieren.
Eine Ballondilatation gilt dann als erfolgreich, wenn die Ablagerungen im Herzkranzgefäß auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Dicke reduziert werden konnten. In 95 Prozent der Behandlungen wird das erreicht. Oft erspart der Ballonkatheter die Bypass-Operation. In den ersten drei Monaten nach der Behandlung kommt es aber bei zirka 30 Prozent der Patienten erneut zu Engstellen.

Stent-Implantate

Dem erneuten Verschluss von Gefäßen können sogenannte Stent-Implantate vorbeugen. Stents sind kleine Röhrchen mit Gitterstruktur, meist aus Metall.

Der Stent liegt vor dem Eingriff eng zusammengefaltet auf einem Ballonkatheter. Sobald der Katheter an die verengte Stelle geschoben ist, wird der Ballon aufgeblasen. Wie bei einer herkömmlichen Ballondilatation wird dadurch die Engstelle aufgeweitet. Gleichzeitig entfaltet sich aber auch das Metallgitter des Stents und wird an die Aderwand gepresst. Nach dem Ablassen der Luft aus dem Ballon bleibt der Stent als stabilisierendes Element an der geweiteten Aderwand zurück. Er wird nach Zurückziehen des Katheters als dauerhafte Stütze im Herzkranzgefäß belassen.

Ursprünglich waren Stents eine reine Notfall-Therapie bei akutem Herzinfarkt. Mittlerweile werden sie aber auch eingesetzt, um ältere chronische Gefäßverengungen zu behandeln.

Ein Problem bei der Verwendung von Stents lag früher darin, dass der Stent für den Organismus ein Fremdkörper ist und deshalb ein verstärktes Wachstum der Gefäßwandzellen auslösen kann. Das wiederum führte oft zu erneuter Arterienverstopfung. Um das zu verhindern, haben Ärzte inzwischen sogenannte „drug eluting stents“ entwickelt, die kontinuierlich Medikamente freisetzen und ins Blut abgeben. Verwendet man hierbei wachstumshemmende Stoffe, sinkt die Gefahr, dass die stent-geweiteten Stellen zuwachsen, auf unter zehn Prozent.

Wie die Ballondilatation ist die Stentsetzung zu 95 Prozent erfolgreich. Der Vorteil des Stents: Er hält das Gefäß länger offen als die bloße Dilatation. Zu einem erneuten Verschluss kann es vor allem innerhalb der ersten sechs Monate kommen – in diesem Fall kann die Stentsetzung normalerweise aber wiederholt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.04.2014
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Christian Grundmann, Dipl.-Biol., Medizinredakteur; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: DOCMED.tv
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