Erste Hilfe bei einem Herzinfarkt

Herzmassage © Thinkstock
Das folgende Szenario kann jedem von uns „live“ begegnen: Jemand in Ihrer Nähe ...

... greift sich an die Brust, zeigt heftigen Schmerz, ringt nach Luft.
... wird bewusstlos, fällt um, atmet vielleicht nicht mehr.
... wird bleich, setzt sich matt hin, hat vielleicht kalten Schweiß auf der Stirn.
... wird bleich oder grau im Gesicht, ihm ist offensichtlich sehr übel.

Dann sollten Sie an einen akuten Herzinfarkt denken und schnell handeln! Es geht um Minuten: Rufen Sie über die Nummer 112 sofort einen Rettungswagen mit Notarztbegleitung.

Den Notruf richtig absetzen

Achten Sie bei einem Notruf darauf, alle fünf W-Fragen zu beantworten – am besten in dieser Reihenfolge:
  • Wo geschah es?
    Machen Sie genaue Angaben über den Notfallort: Straße, Hausnummer, Stockwerk.
  • Was geschah?
    Beschreiben Sie die wichtigsten Details der Notfallsituation, damit sich die Rettungsleitstelle ein Bild von den benötigten Fahrzeugen und Geräten machen kann.
  • Wie viele Verletzte?
    Die Zahl der Patienten ist entscheidend für die benötigten Transportfahrzeuge und Einsatzhelfer.
  • Welche Art von Verletzung?
    Nennen Sie zuerst schwere und lebensbedrohliche Verletzungen – dann wird nämlich zusätzlich ein Notarzt benötigt.
  • Warten auf Rückfragen!
    Legen Sie nicht gleich auf. Sonst fehlen der Rettungsleitstelle eventuell wichtige Informationen. Die Leitstelle beendet das Gespräch, sobald alle Fragen geklärt sind.
Im Ernstfall ist Ihnen natürlich die Rettungsleitstelle bei der Beantwortung der Fragen behilflich.

Das können Sie tun, bis der Notarzt kommt

Wenn der Patient bewusstlos ist:
  • Überprüfen Sie die Atmung des Patienten. Atmet er nicht, ist ein Kreislaufstillstand wahrscheinlich. Führen Sie sofort die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch. Setzen Sie diese unbedingt so lange fort, bis der Notarzt kommt.
  • An vielen Bahnsteigen hängen Defibrillatoren, extra für medizinische Laien. Ein Defibrillator kann bei bestimmten Herzrhythmusstörungen mittels Stromstoß das Herz wieder in den richtigen Rhythmus bringen. Keine Angst, Sie können nichts falsch machen. Kleben Sie die Elektroden auf den Brustkorb und folgen Sie genau den Anweisungen der Tonbandstimme.
Wenn der Patient ansprechbar und bei Bewusstsein ist:
  • Bewahren Sie selbst Ruhe. Beruhigen Sie den Patienten: „Der Arzt kommt gleich.“ Lassen Sie ihn nicht allein. Ein Herzinfarktpatient hat Todesangst und ist in Gefahr.
  • Lagern Sie den Patienten mit leicht erhöhtem Oberkörper stabil. So wird das Herz entlastet. In der Wohnung oder im Büro: Ein stabiler Stuhl mit verstellbarer Rückenlehne ist am besten geeignet – oder Sie schieben dem liegenden Patienten einen Stapel Kissen unter den Rücken. Auf der Straße können Sie den Betroffenen an ein Schaufenster, eine Wand oder Ähnliches lehnen oder zum Beispiel Taschen, Mäntel oder Jacken zum Abstützen verwenden.
  • Befreien Sie den Patienten von beengender Kleidung und schirmen Sie ihn von Unruhe und Aufregung ab. Achten Sie darauf, dass er nicht friert, hüllen Sie ihn zum Beispiel in eine Decke oder Jacke. Sorgen Sie für Frischluft, indem Sie das Fenster öffnen.
  • Betreuen Sie den Patienten bis zum Eintreffen des Rettungswagens und überprüfen Sie regelmäßig seine Atmung.
Erste Hilfe lernen
Wenn in Ihrem persönlichen Umfeld ein Herzpatient lebt, ist es sehr sinnvoll, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen. Der Kurs für den Führerschein liegt meist zu lange zurück, frischen Sie Ihre Kenntnisse auf. So versetzen Sie sich in die Notsituation, haben weniger Angst davor und lernen das richtige Verhalten mit praktischen Übungen – zum Beispiel, wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt wird oder wie Sie Bewusstsein und Atmung überprüfen.

Überprüfen des Bewusstseins

  • Stellen Sie dem Kranken eine leicht zu beantwortende Frage. Beispiel: „Was ist passiert?“, „Wo tut es weh?“.
  • Bleibt auch bei wiederholtem Fragen die Reaktion aus, rütteln Sie ihn an den Schultern oder setzen Sie einen Schmerzreiz. Beispiel: Zwicken Sie ihn.
  • Reagiert der Patient immer noch nicht, rufen Sie um Hilfe, damit andere Passanten aufmerksam werden. Rufen Sie spätestens jetzt den Notarzt.
  • Überprüfen Sie Atmung und Puls.
  • Stellen Sie keine Atmung fest, beginnen Sie sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung und führen diese so lange fort, bis der Notarzt eintrifft.

Überprüfen der Atmung

Beim bewusstlosen Patienten erschlaffen die Muskeln. Auch der Zungenmuskel ist davon betroffen, sodass die Zunge zurückrutschen und die Atemwege blockieren kann. Um die Atmung des Betroffenen zu überprüfen, überstrecken Sie dessen Hals und öffnen Sie seinen Mund.
  • Schauen Sie, ob sich der Brustkorb des Patienten hebt und senkt.
  • Hören Sie auf seine Atemgeräusche, indem Sie Ihr Ohr über Mund und Nase des Patienten halten.
  • Fühlen Sie mit Ihrer Wange, ob ein Luftstrom spürbar ist.
Wenn Sie nach zehn Sekunden keine Atmung feststellen können, hat der Bewusstlose wahrscheinlich einen Kreislaufstillstand. Beginnen Sie sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.04.2014
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: DOCMED.tv
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung