Aortenklappenfehler: Aortenstenose und Aorteninsuffizienz

Die Aortenstenose (Verengung der Aortenklappe) ist der häufigste Klappenfehler beim Erwachsenen. In Industrieländern ist sie inzwischen nach koronarer Herzkrankheit und Bluthochdruck die dritthäufigste Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems, Tendenz steigend.

Verkalkung ist Hauptursache für die Aortenstenose

Aortenstenose ist meist die Folge einer Verkalkung beziehungsweise eines arteriosklerotischen Klappenumbaus. Sie kann aber auch angeboren sein oder durch eine rheumatische Endokarditis verursacht werden. Die arteriosklerotischen Veränderungen an der Aortenklappe sind ein schleichender, Jahre andauernder Prozess. Weil so das Herz-Kreislauf-System genügend Zeit zur Anpassung hat, haben Patienten lange Zeit keine Beschwerden.
Aortenklappenfehler © vitapublic GmbH

Herzwand wird dicker - Symptome zeigen sich

Um genügend Blut durch die verengte Aortenklappe in den Körperkreislauf pumpen zu können, muss sich das Herz mehr anstrengen. Die Folge: Der Herzmuskel wird kräftiger, die Wand wird dicker. Bei höhergradiger Stenose wirft das Herz weniger Blut aus, außerdem wird der verdickte Herzmuskel schlechter mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgt. Hat der Patient die Stenose bis dahin nicht gespürt, bemerkt er jetzt öfter Atemnot bei Belastung, Angina-pectoris-Schmerzen sowie Schwindel bis hin zum Bewusstseinsverlust (Synkopen). Das Risiko für einen plötzlichen Herztod steigt drastisch.

Diagnose mit Echokardiografie

Der Arzt kann eine Aortenstenose bereits mit dem Stethoskop identifizieren. Mit der Echokardiografie misst er exakt aus, wie weit sich die Klappe noch öffnet und wie schnell das Blut hindurchfließt.

Bei Symptomen muss bald operiert werden

Der Ersatz der kranken Aortenklappe ist bei einer Aortenstenose die einzige Behandlungsmöglichkeit. Alle Patienten, die aufgrund der Stenose Beschwerden haben und denen eine Operation zugemutet werden kann, werden operiert. Beschwerdefreie Patienten werden in der Regel nicht behandelt, es sei denn, im Belastungstest hat sich gezeigt, dass die Herzreserven bei Aktivität eingeschränkt sind.

Medikamente unterstützen das Herz

Kommt eine Operation zum Beispiel wegen eines schlechten Allgemeinzustands oder belastender Begleiterkrankungen nicht infrage, wird das Herz medikamentös unterstützt. ACE-Hemmer, Diuretika und Digitalisglykoside werden dann vom Arzt gegeben. Steht die Angina pectoris im Vordergrund, kommen auch Betablocker zum Einsatz.

Aorteninsuffizienz meist angeboren

Die Aorteninsuffizienz ist wesentlich seltener als die Stenose. Sie kann angeboren sein oder als Folge von Entzündungen oder seltenen Erkrankungen wie etwa dem Marfan-Syndrom, einer angeborenen Bindegewebsschwäche, entstehen. Verspürt der Patient keine Symptome und verkraftet das Herz die zusätzliche Belastung, muss nicht behandelt werden. Allerdings ist eine konsequente Endokarditisprophylaxe wichtig.

Therapie bei Aorteninsuffizienz: Klappenersatz und Medikamente

Patienten mit einer Aorteninsuffizienz, die Symptome wie Luftnot verspüren, sollten auf jeden Fall operiert werden. Das gilt auch für Patienten ohne Beschwerden, deren Herz aber schon unter der zusätzlichen Belastung gelitten hat. Für wen die Operation die beste Behandlungsmöglichkeit ist, entscheidet der Arzt mithilfe der Echokardiografie, die besonders aussagekräftig ist, wenn der Schallkopf durch die Speiseröhre eingeführt wird (transösophageale Echokardiografie). Außer der Operation können Medikamente wie Vasodilatatoren, ACE-Hemmer und Diuretika hilfreich sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.01.2013
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Kompetenznetz Angeborene Herzfehler: www.kompetenznetz-ahf.de, Stand 2007
  • Daniel, W.G. et al.: Leitlinie Klappenvitien im Erwachsenenalter, Clin Res Cardiol 95: 620-641, 2006
  • Claasen, M. et al.: Innere Medizin, Urban
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