Rheumatische Endokarditis nach Scharlach und Angina

Eine rheumatische Endokarditis kann sich im Rahmen eines rheumatischen Fiebers entwickeln und tritt meist bei Kindern und Jugendlichen auf. In diesem Alter sind Infektionen mit Streptokokken wie Scharlach, eitrige Mandelentzündung (Angina) und Mittelohrentzündungen (Otitis media) häufig. Wird der Infekt nicht rechtzeitig mit einem Antibiotikum behandelt, steigt das Risiko für rheumatisches Fieber. Die Erkrankung ist hierzulande dank guter Infektbehandlung glücklicherweise selten geworden.

Rheumatisches Fieber: wenn sich das Abwehrsystem irrt

Rheumatisches Fieber wird nur indirekt durch Bakterien verursacht. Streptokokken besitzen wie andere Bakterien auch spezielle Strukturen an ihrer Zelloberfläche. Unser körpereigenes Abwehrsystem erkennt sie und bildet dagegen Antikörper. Dem Immunsystem unterläuft anschließend allerdings ein Fehler, der als Autoimmunreaktion bezeichnet wird: Es verwechselt die Bakterienoberfläche mit der Oberfläche von Körperzellen – etwa in den Gelenken und dem Herzinnenraum – und greift die körpereigenen Zellen ebenfalls an.

Symptome bei rheumatischem Fieber

Dadurch kommt es zu Gelenkentzündungen und zur Endokarditis. Zusammen mit charakteristischen Hauterscheinungen sowie dem Auftreten von Knötchen unter der Haut („Rheumaknötchen“) wird das Krankheitsbild als rheumatisches Fieber bezeichnet. Es tritt in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen nach einer unbehandelten Streptokokkeninfektion auf.

Wichtig: absolute Bettruhe

Vermutet der Arzt ein rheumatisches Fieber, so fahndet er zunächst nach den Streptokokken. Manchmal sind sie im Rachenabstrich noch nachweisbar. Oft ist ein Herzgeräusch zu hören, auch EKG und Echokardiografie helfen bei der Diagnostik. Im Blut finden sich erhöhte Entzündungszeichen, die Gelenke sind geschwollen, heiß und druckschmerzhaft.

Die Gabe eines Antibiotikums wie Penicillin zur Bekämpfung der Streptokokken ist das Mittel der Wahl bei jeder rheumatischen Endokarditis. Außerdem gibt der Arzt entzündungshemmende Medikamente. Bei schweren Erkrankungen wird das Abwehrsystem medikamentös gebremst, um die Angriffe auf körpereigenes Gewebe zu unterdrücken.

Ganz wichtig bei jeder Endokarditis: absolute Bettruhe. Das entzündete Herz braucht unbedingt Schonung, um sich von der Entzündung zu erholen. Trotz Medikamenten und Schonung lässt sich aber oft eine Herzklappenschädigung nicht verhindern. Zusammen mit einem Herzchirurgen sollte die weitere Therapie geplant werden. In vielen Fällen muss nach der Initialbehandlung ein Herzklappenersatz durchgeführt werden.

Jahrelange Vorbeugung ist unerlässlich

Da es häufig innerhalb der ersten Jahre zu Rezidiven (also erneuten Infektionen) kommt, muss der Endokarditis vorgebeugt werden. Dazu bekommen die meist jungen Patienten jahrelang einmal monatlich Penicillin intramuskulär verabreicht, manchmal bis sie erwachsen sind. Auch im Erwachsenenalter wird häufig zu Therapien von bis zu zehn Jahren nach der akuten Infektion geraten. Auch danach ist eine vorbeugende Gabe von Antibiotika immer dann unerlässlich, wenn Bakterien in den Körper gelangen könnten wie bei Zahnbehandlungen oder Operationen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.07.2013
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Herold, G.: Innere Medizin - Eine vorlesungsorientierte Darstellung
  • Braun, J., Dormann, A.: Klinikleitfaden Innere Medizin, Verlag Urban
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