Perikarderguss und Herzbeuteltamponade als gefürchtete Folgen der Perikarditis

Eine Flüssigkeitsansammlung zwischen den beiden Herzbeutelschichten bezeichnet man als Perikarderguss. Bildet sich ein solcher Erguss infolge einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis), so ändern sich die Beschwerden deutlich: Die Schmerzen verschwinden, dafür treten Zeichen einer Herzinsuffizienz wie gestaute, deutlich hervortretende Halsvenen, Atemnot, Wassereinlagerungen in den Beinen und Leberschwellung auf.

Notfall Herzbeuteltamponade

Nimmt die Flüssigkeitsmenge rasch zu, übersteigt sie schnell das Dehnungsvermögen des wenig elastischen Herzbeutels. Der Druck richtet sich dann gegen die Herzwand und besonders gegen die dünnwandigen Vorhöfe. Die Pumpleistung des Herzens nimmt drastisch ab, der Blutdruck sinkt und es droht ein Schock mit Bewusstlosigkeit sowie Atem- und Kreislaufstillstand. Eine solche Herzbeuteltamponade ist ein Notfall und schnelle Hilfe ein Muss: Bei Anzeichen von zunehmender Atemnot, schnellem Puls und Bewusstseinsverlust muss sofort der Notarzt gerufen werden!

Hilfe fürs Herz durch Perikardpunktion

Bei einem ausgeprägten Perikarderguss und der Herzbeuteltamponade ist die Perikardpunktion die Behandlung der Wahl. Dazu wird der gefüllte Herzbeutel mit einer Nadel punktiert – also angestochen – und die Flüssigkeit abgelassen. Manchmal läuft ständig Flüssigkeit nach – etwa bei bakteriellen Herzentzündungen. Dann wird statt der Nadel ein kleiner Schlauch, eine Drainage, in den Herzbeutel gelegt, um die angesammelte Flüssigkeit regelmäßig ableiten zu können.

Überwachung bei Perikardpunktion

Komplikationen wie Herz- oder Lungenverletzungen sind selten: Meist wird eine Perikardpunktion sicherheitshalber unter Ultraschallkontrolle durchgeführt. Atmung, Herz und Kreislauf werden während der Punktion ständig überwacht. Allerdings stellen sich infolge der Punktion manchmal Herzrhythmusstörungen ein.

In der Flüssigkeit lassen sich Erreger nachweisen

In der abgeleiteten Flüssigkeit – dem Punktat – lassen sich im Labor Erreger, die die Entzündung verursachen, gut nachweisen. Durch spezielle Bakterienanzüchtung kann herausgefunden werden, welches Antibiotikum gegen die Bakterien wirksam ist. Um einen Erreger und seine Empfindlichkeit sicher bestimmen zu können, werden deshalb manchmal auch kleinere Ergüsse punktiert. Ist der Erguss Folge einer Krebserkrankung, finden sich auch Krebszellen im Punktat.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.03.2017
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Herold, G.: Innere Medizin - Eine vorlesungsorientierte Darstellung
  • Braun, J., Dormann, A.: Klinikleitfaden Innere Medizin, Verlag Urban
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