Therapie bei Hautwunden: Mittel mit desinfizierender Wirkung

Die Art der Verletzung entscheidet, welches Desinfektionsmittel am besten zur Wundversorgung geeignet ist. Einige Stoffe können beispielsweise nur zur Behandlung kleiner Wunden eingesetzt werden. Andere Mittel dürfen nicht in Kontakt mit Schleimhäuten geraten. Und wieder andere Desinfektionsmittel wirken gezielt bei bakteriellen Infektionen. Daneben gibt es auch Substanzen die Bakterien, Viren und Pilze gleichermaßen bekämpfen.

Jod zur Desinfektion von Wunden

Jod ist ein wirksames Mittel gegen Bakterien, Pilze und Viren. Die entsprechenden Desinfektionsmittel töten die Keime ab. Sie können auf kleine und große Hautwunden sowie auf das umliegende Hautgewebe direkt aufgetragen werden. Jod-Tinktur enthält reines Jod und wird nur noch selten eingesetzt.

Heute verwendet man überwiegend Povidon-Jod (PVP-Jod). Bei diesem Wirkstoff ist Jod so eingebunden, dass es nur langsam freigesetzt wird. Dadurch sind diese Desinfektionsmittel besser verträglich. PVP-Jod wird nicht nur zur Desinfektion von Wunden und Schleimhäuten, sondern auch zur Operationsvorbereitung oder zur antiseptischen Händewaschung eingesetzt.

Das Mittel ist schnell wirksam. Untersuchungen zufolge soll es die Keimzahl in einer Wunde innerhalb von einer Minute von einer Million Keime auf höchstens zehn Keime reduzieren. Durch die rotbraune Eigenfarbe der jodhaltigen Produkte lässt sich die Wirksamkeit der Desinfektion sichtbar kontrollieren. Wenn die bräunliche Eigenfarbe verblasst, wird kein Jod mehr abgegeben. So kann man leicht erkennen, ob noch ausreichend Wirkstoff auf der Wunde vorhanden ist.

Jodhaltige Medikamente eignen sich nicht zur Anwendung bei bestehender Überfunktion der Schilddrüse, da die Tätigkeit der Schilddrüse durch Jod angeregt werden kann.

Alkohol wirkt desinfizierend und antiseptisch

Verschiedene Alkohole wie Ethanol, Isopropanol oder Phenoxyethanol wirken ebenfalls sehr schnell und haben ein breites Wirkspektrum. Auch bei diesen Produkten werden Bakterien, Viren und Pilze abgetötet. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist eine ausreichend hohe Konzentration des Alkohols.

Manche Mittel enthalten zusätzlich weitere antiseptisch wirksame Stoffe. Reiner Ethanol oder Isopropanol wird heute vor allem zur Hautdesinfektion vor Injektionen oder zur Händedesinfektion eingesetzt. Diese Mittel sollen nicht auf Schleimhäute oder in die Nähe der Augen geraten. Beim Auftragen auf offene Hautstellen entsteht ein unangenehmes Brennen.

Polihexanid dagegen brennt nicht bei Kontakt mit Wundflächen. Die Wirkstoffe Polihexanid und Octenidin werden zur Desinfektion von Schleimhäuten und Wunden empfohlen. Bei gleichzeitiger Anwendung von Antiseptika mit dem Wirkstoff PVP-Jod kann es zu braunen und violetten Verfärbungen kommen.
Wichtiger Hinweis
Hochprozentige alkoholische Lösungen sind leicht entzündlich und dürfen nicht in der Nähe einer offenen Flamme angewandt werden.

Weitere Desinfektionsmittel bei Hautwunden

Benzethonium, Chlorhexidin und Tyrothricin wirken desinfizierend und werden oft zur Desinfektion des Mund- und Rachenraums benutzt.
Wichtiger Hinweis
Puder darf nicht auf tiefe oder nässende Wunden sowie Geschwüre aufgetragen werden, da die dadurch entstehende Kruste die Vermehrung von Bakterien begünstigt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.12.2016
  • Autor/in: Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Universitätsklinikum Essen: Wundfibel – Empfehlungen für die Wundtherapie am Universitätsklinikum Essen (http://www.uk-essen.de/fileadmin/Hautklinik/Fuer_AErzte/Wundfibel_01.pdf)
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