Ratgeber und Selbsthilfe – Alltag trotz Harninkontinenz

Vielen Menschen fällt es schwer, über ihre Blasenprobleme zu sprechen – schließlich ist der intimste Bereich betroffen und Schwächen einzugestehen, ist selten einfach. Dennoch sollte sich niemand, der von Inkontinenz (Blasenschwäche) betroffen ist, vor dem Arztbesuch fürchten, denn die Untersuchungen sind in den meisten Fällen völlig schmerzfrei. Ein qualifizierter Arzt kann dabei helfen, die richtige Therapie zu finden und die Probleme der Inkontinenz zu lindern.

So ist Selbsthilfe ganz leicht

Häufig können Sie in Absprache mit Ihrem Arzt selbst einiges gegen die Blasenschwäche tun. Beispielsweise gehört Beckenbodentraining zur Therapie einer Inkontinenz. Sie sollten sich die Übungen einmal von einem Fachmann erklären lassen und können Sie dann einfach zu Hause durchführen. Eine Kräftigung des Beckenbodens kann auch vorbeugend wirken. Eine weitere Möglichkeit, wie Sie selbst etwas gegen die Inkontinenz tun können, ist Ihr Trinkverhalten entsprechend anzupassen. Das bedeutet jedoch nicht, wenig zu trinken. Vielmehr ist es wichtig, die Trinkmenge richtig über den Tag zu verteilen und die richtigen Getränke auszuwählen.

Hilfsmittel erleichtern den Alltag

Manchmal gelingt es aber auch trotz Therapie nicht, die Inkontinenz komplett zu stoppen. Betroffene sollten deshalb aber nicht die Hoffnung auf einen normalen Alltag aufgeben – es gibt viele Hilfsmittel, die den Urin auffangen, ohne dass Außenstehende etwas von der Inkontinenz bemerken. Man unterscheidet hier saugfähige Hilfsmittel wie Binden, Einlagen und spezielle Unterwäsche, die den Urin aufsaugen und speichern, und ableitende Hilfsmittel, wie Katheter oder Kondomurinale. Für Frauen, die unter Dranginkontinenz leiden, gibt es weitere Hilfsmittel wie beispielsweise Pessare, die stützend auf Harnleiter, Harnblase und Gebärmutter wirken. Mehr Informationen über Hilfsmittel bei Inkontinenz erhalten Sie in diesem Ratgeber.

Hautpflege und das richtig gestaltete Badezimmer

Weitere Maßnahmen können das Leben mit einer Blasenschwäche erleichtern. Dazu gehört die Gestaltung der Toilette. Sie sollte ausreichend groß sein, um Bewegungsfreiheit zu garantieren. Spezielle Toilettensitze und Haltegriffe erleichtern das Aufstehen und Hinsetzen. Besonders wichtig ist auch die Hautpflege. Denn die Haut wird durch den Kontakt mit Urin gereizt. Sie sollte deshalb schnell nach dem Harnverlust mit einer pH-neutralen Seife gereinigt und anschließend eingecremt werden.

Keine Angst vor Sexualität

Meist ist von einer Inkontinenz nach außen hin nichts zu merken. Dennoch schämen sich viele Betroffenen und fürchten sich vor unangenehmen Gerüchen und Unfällen in der Öffentlichkeit. Um mit der Blasenschwäche gut leben zu können, ist es jedoch wichtig, diese Ängste abzubauen. Wer offen mit seinem Partner über seine Inkontinenz spricht, braucht auch keine Angst vor Sexualität zu haben. Denn eine Blasenschwäche bedeutet keinesfalls den Verzicht auf Sexualität. Allerdings kann ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt im Vorfeld sinnvoll sein. Vielen Betroffenen hilft es, sich mit anderen in Selbsthilfegruppen über ihre Inkontinenz auszutauschen. So können sie Ängste und Scham abbauen. Hilfreiche Adressen und Links haben wir für Sie in unserem Ratgeber zusammengestellt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.04.2010
  • Autor/in: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Markus Zens, Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • Quellen: http://www.rki.de/cln_160/nn_199850/DE/Content/GBE/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/harninkontinenz,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/harninkontinenz.pdf
  • http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/084-001.htm
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