Formen der Blasenschwäche: Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz)

Bei der sogenannten Dranginkontinenz, auch Urge-Inkontinenz genannt, leiden Betroffene an einem starken und plötzlich einsetzenden Harndrang. Daher wird diese Form der Harninkontinenz im Volksmund auch häufig als „Reizblase" bezeichnet. Wer es dann nicht sofort auf die Toilette schafft, verliert häufig unfreiwillig Urin.

Oft genügt bereits ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee, um den Harndrang auszulösen. Andere auslösende Faktoren für eine Urge-Inkontinenz können sein: Sehen oder Hören von fließendem Wasser, Kontakt mit Wasser – beispielsweise beim Geschirrspülen, Waschen oder Duschen.

Es werden zwei Formen der Dranginkontinenz unterschieden

Ursache der Dranginkontinenz (medizinisch Urge-Inkontinenz; im Volksmund „Reizblase") sind Störungen in der Signalübertragung zwischen Harnblase und Gehirn. Je nach Art der Störung wird zwischen zwei Formen der Urge-Inkontinenz unterschieden: die der überaktiven Blase, auch motorische Dranginkontinenz genannt, und die der überempfindlichen Blase, auch sensorische Dranginkontinenz genannt.

Motorische Dranginkontinenz

Hierbei liegt eine Übererregbarkeit der Blasenmuskulatur vor. Dabei zieht sich der Detrusor plötzlich unkontrollierbar zusammen und es kommt zum Urinabgang. Die Ursachen dieser Harninkontinenzstörung sind oft psychische Belastungszustände oder auch altersbedingte Rückbildungsprozesse der Harnblasenmuskulatur, aber auch die andauernde Detrusorüberdehnung bei einem großen Prostataadenom kann dafür verantwortlich sein.

Sensorische Dranginkontinenz

Blasenschwäche Röntgenbild von Blasensteinen © WikimediaHarnblasensteine können Auslöser für eine sensorische Dranginkontinenz oder gelegentlich auch für eine Inkontinenz bei chronischer Harnretention sein.
Von einer sensorischen Dranginkontinenz wird gesprochen, wenn die Rezeptoren in der Blasenwand, die den Füllstand der Blase an das Gehirn signalisieren, überempfindlich auf Reize reagieren. Dadurch kann es schnell passieren, dass sie dem Gehirn irrtümlich eine volle Blase melden, auch wenn der tatsächliche Füllstand nur gering ist. Die Blase zieht sich zusammen, ohne dass die Betroffenen etwas dagegen tun können.

Die Ursache für eine sensorische Dranginkontinenz ist häufig eine Harnblasenentzündung und die damit einhergehenden Schleimhautreizung in der Blase. In selteneren Fällen sind Tumoren oder bei Männern eine vergrößerte Prostata verantwortlich. Auch Blasensteine oder eine Strahlenbehandlung der Unterbauchorgane kommen als Auslöser in Betracht. Wenig bekannt ist, dass diese Blasenüberempfindlichkeit auch bei sexuellem Missbrauch und nach Vergewaltigung auftreten kann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.01.2014
  • Autor/in: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Markus Zens, Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/084-001.htm
  • http://www.rki.de/cln_160/nn_199850/DE/Content/GBE/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/harninkontinenz,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/harninkontinenz.pdf
  • K.-P. Jünemann, H. Palmtag, C. Hampel et al. (2006) Harninkontinenz und Urodynamik. Urologe [Sonderheft] 45:106–121
  • O. Kheyfets H. Kölbl (2007): Harninkontinenz der Frau. Formen, Ursachen, Diagnostik. IN: Der Gynäkologe, Bd 40 / Heft 9, 672 – 678
  • http://www.springerlink.com/content/ur674007617r3747/fulltext.pdf