Formen der Blasenschwäche: Die Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)

In medizinischen Texten wird die Belastungsinkontinenz häufig auch als „Stressinkontinenz“ bezeichnet – damit ist allerdings nicht der umgangssprachliche Stress gemeint, unter dem man beispielsweise bei zu viel Arbeit leidet. Stattdessen ist „Stress“ in diesem Fall lediglich ein anderes Wort für Belastung, das aus dem englischen Sprachgebrauch (engl.: to stress – beanspruchen, belasten) übernommen wurde.

Eine Belastungsinkontinenz macht sich bemerkbar, wenn sich der Druck innerhalb des Bauchraums plötzlich erhöht – beispielsweise durch Lachen, Husten, Pressen oder Niesen. Dann kann unwillkürlich Harn abgehen. Die Urinmenge ist bei der Stressinkontinenz meist gering und es tritt kein Harndranggefühl auf.


Eine Störung des  Schließmuskels, der um die Harnröhre angeordnet ist, ist verantwortlich für diese Inkontinenzform. Oft sind auch das Bindegewebe und die unterstützende Beckenbodenmuskulatur geschwächt.

Betroffen von der Stressinkontinenz sind vor allem Frauen, etwa nach Schwangerschaft und Geburt: Beckenboden- und Bauchmuskeln erschlaffen dabei häufig. Auch die Bänder im Becken können nach einer Geburt so überdehnt sein, dass sich die Gebärmutter absenkt und damit die Funktion des Beckenbodens und des Halteapparats gestört wird. Außerdem kann die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre die Beckenbodenmuskulatur schwächen und so zu einer Stressinkontinenz führen.

Bei Männern ist häufig eine Operation an der Prostata der Auslöser für die Stressinkontinenz. Insgesamt sind aber wesentlich mehr Frauen von dieser Form der Inkontinenz betroffen.

Bei der Belastungsinkontinenz werden drei Schweregrade unterschieden:

Grad 1:
Harn geht nur bei Husten, Lachen oder Niesen ab.

Grad 2: Harnverlust schon beim Gehen oder leichter körperlicher Tätigkeit.

Grad 3: Harn geht dauerhaft auch im Liegen ab.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.01.2014
  • Autor/in: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Markus Zens, Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/084-001.htm
  • http://www.rki.de/cln_160/nn_199850/DE/Content/GBE/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/harninkontinenz,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/harninkontinenz.pdf
  • K.-P. Jünemann, H. Palmtag, C. Hampel et al. (2006) Harninkontinenz und Urodynamik. Urologe [Sonderheft] 45:106–121
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  • O. Kheyfets H. Kölbl (2007): Harninkontinenz der Frau. Formen, Ursachen, Diagnostik. IN: Der Gynäkologe, Bd 40 / Heft 9, 672 – 678