Entleerung der Blase (Miktion)

Der Vorgang der Harnblasenentleerung (Urinlassen, Wasserlassen) wird auch als Miktion bezeichnet. Normalerweise ist er schmerzlos und kontrollierbar.

Die Häufigkeit der Entleerung der Harnblase ist individuell verschieden und hängt von etlichen Umständen ab: Trinkmenge, Lebensalter, Schwitzen, Erkrankungen und hormonelle Besonderheiten können die Zahl der Toilettenbesuche beeinflussen. Normal für einen Erwachsenen sind etwa vier bis fünf Entleerungen der Blase innerhalb von 24 Stunden, insgesamt werden durchschnittlich eineinhalb Liter Urin pro Tag ausgeschieden.

Blasenmuskeln und Hirn steuern Funktion der Blase

An der Steuerung der Harnblasenfunktion sind nicht nur die Harnblasenmuskeln beteiligt, sondern auch das Gehirn spielt dabei eine wichtige Rolle: Selbst wenn wir gerade nicht daran denken, den Urin zurückzuhalten, laufen Impulse über das autonome Nervensystem und unterdrücken die Entleerung der Harnblase. Für eine gute Koordination ist hier eine feine Abstimmung zwischen dem unwillkürlichen und dem willkürlichem Nervensystem erforderlich.

Jenseits des Kleinkindalters (ab zirka zwei bis drei Jahren) wird uns bewusst, wenn die Harnblase gefüllt ist und wir Wasser lassen müssen. Das Gehirn kann dann hemmende Signale zur Harnblase senden und wir können eine passende Gelegenheit für den Toilettengang abwarten. Zudem kann der äußere Schließmuskel als Teil der Beckenbodenmuskulatur willentlich angespannt werden, um das Wasserlassen zu verhindern.

Rezeptoren lösen Reflex zur Entleerung aus

Irgendwann aber ist die Fähigkeit zur Dehnung des Harnblasenmuskels überschritten und es kommt zu einem starken Druckanstieg in der Blase. Über die Rezeptoren in der Harnblasenwand wird der Miktionsreflex ausgelöst. Harndrang entsteht, wenn die Harnblase mit zirka 200 bis 300 Millilitern Urin gefüllt ist. Über einen Reflex, der über das Rückenmark läuft, bekommt der Blasenmuskel (Detrusor) den Befehl, sich zusammenzuziehen. Dafür ist der sogenannte Parasympathikus oder „Ruhenerv“ zuständig. Gleichzeitig öffnet sich der innere Blasenschließmuskel im Harnblasenboden und eine Harnentleerung wird ermöglicht.

Bei der Entleerung nimmt die Blase eine Kugelform an. Durch den Detrusor wird von allen Seiten gleichmäßig Druck auf den Inhalt ausgeübt und der Urin wird durch die Harnröhre hinausgepresst. Durch Anspannen der Bauchmuskulatur wird zusätzlich Druck auf die Blase ausgeübt und die Entleerung erfolgt mit größerer Kraft als durch die Kontraktion der Blasenmuskulatur allein. Normalerweise entleert sich die Blase nahezu vollständig bei einer Miktion.
Blasenschwäche Grafik von verschlossener Harnblase © vitapublic GmbHDer innere Schließmuskel kann nicht willentlich angespannt werden – er wird vom autonomen Nervensystem gesteuert.
Blasenschwäche Grafik einer Harnblase bei der Entleerung © vitapublic GmbH Nur wenn beide Schließmuskeln entspannt sind, kommt es zur Harnentleerung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.01.2014
  • Autor/in: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Markus Zens, Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: K.-P. Jünemann, H. Palmtag, C. Hampel et al. (2006) Harninkontinenz und Urodynamik. Urologe [Sonderheft] 45:106–121
  • http://www.rki.de/cln_160/nn_199850/DE/Content/GBE/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/harninkontinenz,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/harninkontinenz.pdf
  • http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/084-001.htm
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