Urologische Diagnostik bei Harninkontinenz

Eine rektale und bei Frauen vaginale Untersuchung gehören zur körperlichen Untersuchung beim Urologen dazu. Hierbei kann der Urologe schon durch Augenschein und durch die manuelle Untersuchung einiges erkennen. Beispielsweise fällt dabei eine vergrößerte Prostata auf, die bei Männern zu Inkontinenz (Blasenschwäche) führen kann. Bei Frauen ist auch gelegentlich ein Abstrich aus der Harnröhre notwendig, um den hormonellen Einfluss auf die Harnröhrenschleimhaut zu untersuchen.

Urologe führt Untersuchungen mit Ultraschall durch

Auch in der urologischen Praxis kann zunächst eine Ultraschalluntersuchung des oberen und unteren Harntrakts, also der Nieren, der Harnwege und der Harnblase, durchgeführt werden. Das Ultraschallbild zeigt dem Urologen, ob Sie unter Harnsteinen, Harnblasentumoren, oder einer Prostatavergrößerung leiden, die die Inkontinenz verursachen können.

Weiterführende Untersuchungen mit Ultraschall wie die Perinealsonografie (beziehungsweise Introitussonografie) können angeschlossen werden. Bei dieser speziellen Ultraschalluntersuchung können die anatomischen Verhältnisse von Harnblase, Harnröhre, Gebärmutter und Scheide (Vagina) hinsichtlich ihrer Lage zueinander in Ruhe und unter Belastung (Husten, Pressen) beurteilt werden.

Besonders wichtig: die Untersuchung des Harnblasenhalses

Besondere Beachtung schenkt der Urologe hierbei dem Harnblasenhals: Kurzfristige Druckerhöhung im Bauchraum (beispielsweise ein Hustenstoß) oder auch permanente anatomische Veränderungen der Unterbauchorgane, beispielsweise eine Gebärmuttersenkung, verlagern den Harnblasenhals, also den Bereich zwischen Harnblase und Harnröhre.

Der Harnblasenhals wird verschoben und der Winkel, der normalerweise zwischen Harnblase und Harnröhre gebildet wird, verändert sich. Dadurch kommt es zu einer Art Trichterbildung im Harnblasenhalsbereich, was eine Störung im Verschlussmechanismus nach sich zieht. Es kann zur Belastungsinkontinenz kommen.

Die Vorteile der sonografischen Techniken (Ultraschallverfahren): Sie sind nichtinvasiv und verursachen keine Strahlenbelastung.

Urologe untersucht auch auf Nervenstörungen

Bei der sogenannten orientierenden neurologischen Untersuchung testet der Urologe die Berührungsempfindlichkeit der Haut im Bereich des Gesäßes, in der Steißbeinregion und am hinteren Oberschenkel. So werden Nervenstörungen erfasst, die auch Auswirkungen auf die Harnblasenfunktion haben und Inkontinenz verursachen können. Dazu streicht der Urologe meist mit dem Finger über die entsprechende Hautpartie.

Je nach Erfordernis können spezielle Untersuchungen angeschlossen werden. Beispielsweise die Uroflowmetrie, eine einfache urodynamische Untersuchung, bei der der Patient auf einer Spezialtoilette mit Auffangtrichter Wasser lassen muss. Dabei wird die Stärke des Harnstrahls gemessen.

Harnblasenspiegelung (Zystoskopie)

Die Harnblasenspiegelung kann ambulant durchgeführt werden. Bei der Untersuchung sollte kein Harnwegsinfekt vorliegen. In der Regel ist die Harnblasenspiegelung für die Patienten wenig belastend und weitgehend schmerzfrei. Mit einem speziellen Endoskop (Zystoskop) betrachtet der Urologe Harnröhre und Harnblase. Am vorderen Ende des Zystoskops befindet sich eine Art „Minikamera“, ein optisches System mit Lichtquelle.

Das Untersuchungsgerät wird in die Harnröhrenöffnung am Penis oder zwischen den Schamlippen eingeführt. Gegen mögliche Schmerzen bei der Untersuchung wird ein Gleitmittel mit einem Lokalanästhetikum verwendet. Die Kamera sendet ein Bild der Harnblaseninnenwand an einen Monitor – der Urologe kann so Veränderungen an der Schleimhaut der Harnblase und der Harnröhre feststellen.

Urodynamische Diagnostik

Hierbei handelt es sich um ein diagnostisches Messverfahren, bei dem mithilfe von Drucksonden und Elektroden die Funktion der Harnblase untersucht wird.

Hierzu gehört eine Zystometrie, bei der der Urologe die zunächst leere Harnblase mittels eines Katheters von außen auffüllt. Dann beobachtet er das Füllungsvolumen und die anschließende Entleerung der Harnblase. Wenn der Urologe die Harnblase mit Kontrastmittel füllt, kann während der Untersuchung gleichzeitig eine Röntgenuntersuchung (Miktionszysturethrografie, MCU) durchgeführt werden, um beispielsweise das Lageverhältnis von Harnröhre zu Harnblase während des Wasserlassens zu beurteilen.

Mittels eines Harnröhrendruckprofils kann der Urologe über Sonden, die an einem Katheter angebracht sind, den Harnröhrenverschlussdruck messen. Messfühler, die am After oder am Damm angebracht werden, können Aufschluss über die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur geben. Diese Untersuchungen kann man mit einer Röntgenuntersuchung kombinieren und auf Video aufzeichnen.

Die Diagnose von Harnblasenentleerungsstörungen mittels Urodynamik geht über die übliche urologische Routinediagnostik bei Inkontinenz hinaus. Diese Untersuchung ist jedoch unverzichtbar, wenn die Voruntersuchungen operative Eingriffe notwendig erscheinen lassen. Auch wenn die Basisuntersuchung keinen klaren Befund ergeben hat, ist diese urodynamische Diagnostik sinnvoll.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.01.2014
  • Autor/in: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Markus Zens, Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/084-001.htm
  • http://www.rki.de/cln_160/nn_199850/DE/Content/GBE/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/harninkontinenz,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/harninkontinenz.pdf
  • K.-P. Jünemann, H. Palmtag, C. Hampel et al. (2006) Harninkontinenz und Urodynamik. Urologe [Sonderheft] 45:106–121