Diagnostik bei Halsschmerzen

Kommt ein Patient mit Halsschmerzen in die Praxis, ist es Ziel des Arztes, den Schweregrad der Erkrankung einzuschätzen und herauszufinden, ob eine Infektion mit Streptokokken der Gruppe A (GAS), eine GAS-Pharyngitis, vorliegt. Denn dann kann die Gabe von Antibiotika sinnvoll sein.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Zunächst fragt der Arzt den Patienten nach seiner Krankengeschichte und seinen Beschwerden (Anamnese). Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung: Der Arzt begutachtet mithilfe eines Holzspatels und einer kleinen Lampe Mund und Rachen. Dabei erkennt er, ob diese Bereiche entzündet und die Mandeln geschwollen oder eitrig sind. Außerdem tastet er an Hals und Nacken nach geschwollenen Lymphknoten und hört die Lunge ab.

Der Centor Score

Bei einer GAS-Pharyngitis zeigen sich als Symptome zum Beispiel Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden, Fieber, gerötete, geschwollene und belegte Mandeln (Tonsillen) sowie vergrößerte und druckschmerzhafte vordere Halslymphknoten. Zudem bleiben bei einer solchen Erkrankung Husten und Schnupfen meist aus.

Der sogenannte Centor Score ermöglicht es dem Arzt, die Wahrscheinlichkeit einer GAS-Pharyngitis einzuschätzen. Er basiert auf vier Parametern, die jeweils mit einem Punkt bewertet werden: Fieber über 38 Grad Celsius, belegte Mandeln, geschwollene und druckschmerzhafte vordere Halslymphknoten sowie das Fehlen von Husten. Bei einem Wert von drei oder vier ist die Wahrscheinlichkeit für eine GAS-Pharyngitis erhöht, bei einem Wert von null oder eins ist sie dagegen sehr gering.

Rachenabstrich und Schnelltest

Wenn nötig, etwa bei einem Centor-Score-Wert von drei oder vier, macht der Arzt einen Rachenabstrich. Die daraus gezüchtete Kultur wird dann auf Gruppe-A-Streptokokken untersucht. Nachteil ist jedoch, dass das Ergebnis des Tests erst nach ein bis zwei Tagen vorliegt.

Eine Alternative stellt ein Schnelltest auf GAS dar, bei dem das Gruppe-A-Antigen nachgewiesen wird. Diese Tests liefern bereits innerhalb weniger Minuten Ergebnisse. Allerdings sind die Resultate weniger zuverlässig als die der Kultur eines Abstrichs. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen den Schnelltest nur bis zum vollendeten 16. Lebensjahr.

In bestimmten Fällen können weitere Untersuchungen sinnvoll sein – zum Beispiel ein Blutbild oder die Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP). Bei Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose) kann der Arzt mithilfe eines Bluttests virusspezifische Antikörper bestimmen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.04.2013
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Leitlinie Nr. 14 der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (2009): Halsschmerzen
  • Michael M. Kochen (2012): Duale Reihe Allgemeinmedizin und Familienmedizin
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