Haarbalgentzündung (Follikulitis)

Eine Follikulitis ist eine Entzündung des Haarbalges – meist bedingt durch Staphylokokken, aber auch durch Streptokokken oder andere Keime. Die Bakterien dringen in die Haarfollikel ein und verursachen eine Entzündung, die durch ein Eiterbläschen auf der Haut sichtbar wird, das meist noch von dem befallenen Haar durchbohrt ist.

Die Follikulitis kann an allen behaarten Körperstellen auftreten. Am häufigsten ist sie aber auf dem Kopf, in der Bartgegend, am Gesäß und im Brust- und Rumpfbereich. Feucht-warmes Klima fördert das Entstehen von Haarbalgentzündungen.

Bei einem Furunkel greift die Entzündung auf den gesamten Haarbalg über. Es entsteht ein tiefgelegener Eiterpfropf, der manchmal nur schwer durch die tiefen Hautschichten hindurch an die Oberfläche dringen kann. Der Eiter und das ebenfalls entzündete umliegende Gewebe führen zu einer schmerzhaften Schwellung. Liegen mehrere Furunkel nebeneinander und verschmelzen deren Eiterhöhlen miteinander, spricht man von einem Karbunkel.

Gefürchtete Komplikation von Furunkeln und Karbunkeln ist die mögliche Ausbreitung der Entzündung. Wird das benachbarte Bindegewebe infiziert, spricht man von Phlegmonen. Breitet sich die Infektion gar auf den ganzen Körper aus, droht eine Sepsis. Durch Furunkel und Karbunkel, die sich im Gesicht oberhalb der Oberlippe befinden, können die Bakterien in einem kleinen Gefäß – dem sinus cavernosus – eine Blutverklumpung verursachen: die Sinus-cavernosus-Thrombose. Durch eine direkte Verbindung zu den großen Hirngefäßen kann es infolge zu einer lebensbedrohlichen Hirnvenenthrombose kommen.

Bildet sich infolge eines entzündlichen Prozesses ein neuer Hohlraum im Gewebe, der mit Eiter gefüllt ist, spricht man von einem Abszess. Besonders hartnäckig sind Schweißdrüsenabszesse, die sich häufig in den Achselhöhlen, im Genital- oder Leistenbereich ausbilden.

Therapie der Haarbalgentzündung

Bakterien Bild eines eitrigen Pickels auf der Haut. © ShutterstockBei der Follikulitis entzündet sich der Haarbalg. Außen auf der Haut bildet sich ein Eiterbläschen.
Eine oberflächliche Follikulitis heilt häufig spontan ab. Ansonsten ist in der Regel eine örtliche Behandlung mit antiseptischen Mitteln ausreichend. Geht die Entzündung tiefer oder hat sich bereits ein Furunkel, Karbunkel oder Abszess gebildet, gilt für die Behandlung die Regel des Hippokrates „Ubi pus, ibi evacua“ – auf Deutsch: „Wo Eiter ist, dort entleere ihn“. Der Arzt sticht mit einem Skalpell in die Eiterhöhle, damit sich der Eiter entleeren kann und der Entzündungsprozess nicht weiter fortschreitet. Ist der Befund besonders schwer, erfolgt außerdem die antibiotische Behandlung unter Umständen mit intravenösen Infusionen. Es gilt, die Ausbreitung der Bakterien – vor allem in die Blutbahn – zu verhindern.

Wenn sich Haarbalgentzündungen häufen, sollte immer auch nach einer möglichen zugrundeliegenden Krankheit geforscht werden. Besonders Diabetiker und Nierenkranke sind anfällig für Furunkel.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.12.2016
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Dagmar Stefanek-Brandl, Ärztin und Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Online-Information des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand 2010)
  • A. Bopp, V. Herbst: Handbuch Medikamente, Stiftung Warentest 2002
  • Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
  • Infektionskrankheiten: Verstehen, erkennen, behandeln, Norbert Suttorp (Herausgeber) et al., Thieme, 2004
  • Die gesunde Haut von Reinhard K. Achenbach, TRIAS, 1996
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