So wird die Diagnose Haarausfall gestellt

Ein wichtiger erster Schritt, um bei Haarausfall (Alopezie) zu einer Diagnose zu gelangen, ist die Befragung des Patienten, die Anamnese. Dabei ermittelt der Arzt zum Beispiel, wie lange der Haarausfall beim Patienten bereits besteht, ob dieser Medikamente einnimmt oder ob in seiner Familie die Diagnose Haarausfall verbreitet ist.

Hilfreich kann dabei der Haarzähltest sein: Der Patient sammelt über einen Zeitraum von einer Woche seine ausgefallenen Haare und zählt sie. Ein Verlust von bis zu 100 Haaren am Tag ist normal – einmalig, wie beispielsweise nach der Haarwäsche, können es auch bis zu 200 Haare sein.

Beim sogenannten Zupftest greift der Arzt an mehreren Stellen in die Haare des Patienten und versucht, kleine Büschel davon mit einem leichten Ruck herauszuziehen. Dabei kann er feststellen, wie leicht sich die Haare aus der Kopfhaut lösen. Das Ausmaß des Haarausfalls kann er so jedoch nur grob einschätzen. Um die Ursache der Erkrankung zu ermitteln, müssen weitere Tests und Diagnose-Methoden durchgeführt werden.

Beim Haarreibetest nimmt der Arzt einige Haare zwischen die Finger und zerreibt sie. Wenn er dabei eine erhöhte Brüchigkeit der Haare feststellt, folgen weitere Untersuchungen, um zu einer Diagnose zu gelangen. Brüchige Haare können auch von falscher oder übertriebener Haarhygiene herrühren.

Zusätzlich untersucht der Arzt in der Regel die Kopfhaut auf Rötungen und Entzündungen, wobei er eine Lupe, ein sogenanntes Dermatoskop, zu Hilfe nehmen kann.

Blick aufs Detail – Diagnose durch Mikroskopie

Eine genaue Diagnose erleichtern mikroskopische Analyseverfahren. Beim Trichogramm entnimmt der Arzt im Randbereich eines befallenen Areals einen kleinen Streifen mit ungefähr 20 bis 50 Haaren. Im Mikroskop erkennt er an der Struktur der Haarwurzel, in welcher Phase des Haarzyklus sich das Haar befindet und ob das Haarwachstum gestört ist. Zum Vergleich kann er die gleiche Untersuchung an einer gesunden Stelle durchführen. So zeigen sich krankhafte Veränderungen der Haarwurzeln und der Oberflächenstruktur des Haares besonders deutlich. Damit das Resultat nicht verfälscht wird und eine Diagnose möglich ist, darf der Patient vor dieser Untersuchung ungefähr eine Woche lang seine Haare nicht waschen.

Noch exaktere Ergebnisse liefert das Phototrichogramm. Mithilfe dieser computergestützten Analyse bestimmt der Arzt Haardichte und Aktivitätszustand des Haarfollikels. Um die Haardichte zu ermitteln, rasiert er ein ungefähr zwei Zentimeter großes Stück Kopfhaut des betroffenen Areals kahl und färbt es mit einem Tusche-Farbstoff ein. Mithilfe mikroskopischer Digitalfotografie bildet er das Areal in 20-facher Vergrößerung ab. Das dabei entstehende Foto wertet ein Computer automatisch aus und bestimmt die Haardichte. Den Haarwurzelstatus bestimmt der Arzt, indem er die nachgewachsenen Haare nach drei Tagen nochmals einfärbt und fotografiert. Anhand der unterschiedlichen Farben kann er die Haarwachstumsrate genau erkennen und eine Diagnose stellen.

Beim gesunden Menschen befinden sich über 80 Prozent der Terminalhaare (behaarte Kopfhaut) in der Wachstumsphase. Ergibt die Analyse einen erhöhten Anteil an Haaren in der Ruhe- oder Übergangsphase, kann der Arzt daraus Hinweise auf Art und Schweregrad des Haarausfalls ableiten.

Manchmal ist ein Schnitt nicht zu vermeiden – spezielle Verfahren zur Diagnose

Bei der vernarbenden und der diffusen Alopezie bringt die Kopfhaut-Biopsie zusätzliche Informationen für die Diagnose. Unter örtlicher Betäubung entnimmt der Arzt ein etwa vier Millimeter großes Stück Kopfhaut mit Haarfollikeln. Die anschließende Analyse unter dem Mikroskop zeigt die Anzahl der aktiven Haarfollikel.

Beim diffusen Haarausfall sind zusätzliche Blutuntersuchungen notwendig, um zu einer Diagnose zu gelangen. Der Arzt lässt beispielsweise die Eisen- oder Schilddrüsenwerte im Blut überprüfen, damit er einen eventuellen ernährungsbedingten Mangel oder eine andere Krankheit, die den Haarausfall mitverursacht, besser behandeln kann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.11.2012
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Daniela Frank, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
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