Glutensensitivität – die große Unbekannte

Manche Menschen stellen immer wieder fest, dass sie getreidehaltige Lebensmittel – zumindest in größeren Mengen – nicht vertragen: beispielsweise Brot, Kuchen, Pizza, Nudeln, Müsli und viele Fertiggerichte.

Brot © Thinkstock
Die Symptome können mild bis sehr ausgeprägt sein: Bauchschmerzen, Übelkeit, Völlegefühl nach dem Essen, Blähungen, aber auch allgemeine Schwäche, Müdigkeit, Kreislaufstörungen, Schwindel, Konzentrations- und Schlafstörungen treten mitunter auf. Bei Laboruntersuchungen kann sich ein Vitaminmangel zeigen, auch eine Blutarmut (Anämie) und unspezifische Darmentzündungen können vorhanden sein.
Meist wird über einen längeren Zeitraum nach der Ursache für all diese Beschwerden gesucht. Gelegentlich fällt der Verdacht dann auf eine Weizenallergie oder Zöliakie und eine entsprechende Diagnostik wird eingeleitet. Für den Nachweis einer Zöliakie müssen im Blut spezielle Antikörper vorhanden sein. Bestätigt wird die Diagnose aber erst durch eine Probeentnahme (Biopsie) aus der Dünndarmschleimhaut. Außerdem gehen die Beschwerden zurück, wenn der Betroffene sich glutenfrei ernährt.

Manchmal ist bei den Untersuchungen nichts Genaues zu finden

Wenn aber die Darmschleimhaut nicht die typischen Veränderungen zeigt und auch im Blut keine spezifischen Antikörper zu finden sind, wird es schwierig. Oftmals wird dann von den behandelnden Ärzten von einem Reizdarm gesprochen oder eine psychosomatische Ursache vermutet.

Denn lange Zeit wurde das Vorkommen einer sogenannten Glutensensitivität (medizinisch: Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität), also einer Unverträglichkeit von glutenhaltigen Nahrungsmitteln, die nicht den Kriterien einer Zöliakie genügt, infrage gestellt.

Eiweißstoffe unter Verdacht

Als Auslöser für die Glutensensitivität stehen bestimmte Eiweißstoffe im Verdacht, die durch Züchtung und genetische Veränderungen in den Getreidepflanzen stark angereichert wurden. Eigentlich sollen diese Eiweißstoffe Schädlinge abwehren und die Widerstandskraft erhöhen. Das nützt der Pflanze, aber anscheinend nicht den Menschen.

Alle Mutmaßungen über die Ursachen der Glutensensitivität konnten bisher jedoch nicht abschließend belegt werden. Deshalb ist es nicht auszuschließen, dass es sich bei der Erkrankung um einen sogenannten Noceboeffekt handelt. Analog zum Placeboeffekt, bei dem wirkstofffreie Medikamente oder eigentlich wirkungslose Maßnahmen einen positiven Effekt haben, haben sie beim Noceboeffekt negative Auswirkungen.

Mit dem Arzt sprechen

Menschen, die den Verdacht haben, dass sie Getreideprodukte nicht vertragen, sollten ihren Arzt konsultieren und mit ihm über mögliche Ursachen für ihre Beschwerden sprechen. Es ist nicht ratsam, einfach auf Gluten zu verzichten und auf glutenfreie Produkte zurückzugreifen. Denn viele glutenfreie Backwaren enthalten viel Lupinen-Mehl, das wiederum Allergien auslösen kann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.02.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Sapone, Anna et al. Spectrum of gluten-related disorders: consensus on new nomenclature and classification: http://www.biomedcentral.com/1741-7015/10/13
  • Dubcovsky J, Dvorak J. Genome plasticity a key factor in the success in the polyploidy wheat under domestication. Science 2007, 316, 1862-6.
  • Junker Y et al. Wheat amylase trypsin inhibitors drive intestinal inflammation via activation of toll-like receptor 4. J Exp Med. 2012 Dec 17;209(13):2395-408 Di Sabatino A et al. Nonceliac Gluten Sensitivity: Sense or Sensibility? Ann Intern Med 2012;156:309-31
  • http://www.dgvs.de/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Zoeliakie/021-021l_S2k_Zoeliakie_05_2014.pdf
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