Wie kommt es zu erhöhtem Augeninnendruck?

Um dies zu verstehen, muss man den Abfluss des Kammerwassers etwas genauer betrachten. Er erfolgt durch ein schwammartiges Netzwerk, das sogenannte Trabekelwerk. Es ist quasi ein natürliches Drainage- beziehungsweise Filtersystem. Das Kammerwasser gelangt danach zu einem ringförmigen Kanal (Schlemmscher Kanal). Über Venen der Lederhaut fließt es zu Blutgefäßen, die es aus dem Auge leiten.

Solange das Drainagesystem gut funktioniert, bleibt das Gleichgewicht von Zu- und Abfluss erhalten. Verkleinern sich aber die Abflusswege, zum Beispiel wegen Ablagerungen, dann kann das Kammerwasser nicht mehr ungestört abfließen, es staut sich ähnlich wie Wasser in einem mit Kaffeepulver gefüllten Papierfilter, und sickert nur langsam durch.

Genauso verhält es sich beim Trabekelwerk. Mit zunehmendem Alter, besonders ab dem 40. Lebensjahr, wird das Trabekelwerk nämlich weniger durchlässig, zum Beispiel weil sich Ablagerungen im Maschenwerk bilden und die „Abflusswege“ verstopfen. Bei gleichbleibender Kammerwasserproduktion staut sich das Kammerwasser zurück, sodass der Augeninnendruck zwangsläufig ansteigt.

Der Weg über das Trabekelwerk ist zwar der bedeutendste, aber nicht der einzige Abflussweg des Kammerwassers aus dem Auge. Der zweitwichtigste Weg ist der sogenannte uveosklerale Abflussweg durch den Ziliarkörper zur Lederhaut. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass immerhin etwa zehn Prozent der Gesamtmenge über den Glaskörperraum zur Netzhaut und zur Aderhaut abfließen.

Erhöhter Augeninnendruck gefährdet Sehnerven

Wenn sich der Druck im gesamten Auge erhöht, weil das Kammerwasser nicht ausreichend abfließen kann, hat dies Folgen: Der zu hohe Druck schädigt den aus über einer Million feinster Fasern bestehenden sehr empfindlichen Sehnerv. Die Nervenfasern am Sehnervenkopf – der Stelle, an der alle Nervenfasern der Netzhaut zusammenlaufen – werden nicht mehr genügend mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgt. Hält die Unterversorgung über einen längeren Zeitraum an, so stirbt der Sehnerv langsam ab. Es entsteht eine Aushöhlung des Sehnervs am Sehnervenkopf (Papille).

Außerdem knicken Nervenfasern ab (Axon), und der Transport innerhalb der Nervenfaser wird dadurch unterbrochen. Sind entsprechend viele Nervenfasern geschädigt, kann das von der Netzhaut aufgenommene Bild nur noch unvollständig an das Sehzentrum im Gehirn weitergeleitet werden.

Dadurch bilden sich nach und nach kleine inselförmige „blinde Flecken“ im Gesichtsfeld: Zuerst vor allem in den Randbereichen, zunehmend auch im zentralen Gesichtsfeld, bis schließlich nur noch ein Röhrenblick möglich ist. Erblindung ist letztendlich die Folge des Grünen Stars oder Glaukoms, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.03.2014
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
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