Ursache der Gicht: Zu hoher Harnsäurespiegel

Die Ursache der Gicht (medizinisch: Arthritis urica oder Urikopathie) ist ein zu hoher Harnsäurespiegel im Blut. Mediziner sprechen auch von einer Hyperurikämie. Die Harnsäure lagert sich in Form von Kristallen in Geweben ab und führt dort zu Entzündungen oder – wie beispielsweise in der Niere – zur Harnsteinbildung.

Allerdings haben nicht alle Menschen mit hohem Harnsäurespiegel automatisch auch Beschwerden. Erst wenn die Harnsäurekonzentration eine bestimmte Grenze überschritten hat, kann es zu den typischen Symptomen der Gicht kommen.

Wie entsteht Harnsäure?

Harnsäure entsteht im Körper durch den Abbau von körpereigenem Purin oder durch Abbau von Purin aus der Nahrung. Da die endogene – im Körper gebildete – Harnsäure in relativ konstanter Menge anfällt, ist ein erhöhter Harnsäurespiegel entweder die Folge einer erhöhten Purinaufnahme – etwa durch purinreiche Ernährung – oder einer gestörten Harnsäureausscheidung. Wird nur vorübergehend oder ausnahmsweise purinreich gegessen, steigt die Harnsäurekonzentration nur kurzzeitig an und normalisiert sich schnell wieder, solange die Nierenfunktion in Ordnung ist.

Die primäre Hyperurikämie

Die primäre Hyperurikämie oder primäre Gicht beruht auf einem angeborenen Stoffwechselfehler, durch den die Ausscheidung von Harnsäure durch die Niere beeinträchtigt wird. Wann sich die erblich bedingte Gicht erstmals bemerkbar macht und wie schwer sie verläuft, hängt von den Ernährungsgewohnheiten der Betroffenen ab. Sie ist mit etwa 90 Prozent die häufigste Form der Gicht. In seltenen Fällen liegt ein angeborener Enzymdefekt vor, der zu einer Harnsäureüberproduktion führt.

Die sekundäre Hyperurikämie

Eine sekundäre Hyperurikämie wird im Laufe des Lebens erworben. Ursachen sind:
  • Krankheiten wie eine Leukämie, bei der ständig Zellen ab- und umgebaut werden
  • eine Chemotherapie, bei der eine große Anzahl von Zellen zugrunde geht
  • eine gestörte Ausscheidung von Harnsäure durch eine Nierenkrankheit oder Medikamente
  • Erkrankungen, die zu einer Nierenschädigung mit verminderter Harnsäureausscheidung führen – zum Beispiel Alkoholismus oder Diabetes mellitus
Was sind Purine?
Purine sind lebensnotwendige Zellbausteine von Mensch, Tier und Pflanze. Viele unserer Körperzellen erneuern sich ständig. Dabei werden Purine freigesetzt und später zu Harnsäure abgebaut. Von dieser endogenen – von innen stammenden – Harnsäure fallen etwa 300 bis 400 Milligramm an. Außerdem nehmen wir mit der Nahrung Purine auf. Daraus entstehen im Körper 300 bis 600 Milligramm sogenannte exogene – von außen stammende – Harnsäure pro Tag.

Harnsäure kann beim Menschen nicht mehr weiter abgebaut werden und wird überwiegend über die Niere ausgeschieden. Im Körper eines gesunden Erwachsenen finden sich weniger als 1.000 Milligramm (= ein Gramm) Harnsäure. Das entspricht einer Konzentration im Blutserum von weniger als 6,5 mg/dl (387 µmol/l). Dieser Wert stellt den Normalwert dar.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.02.2017
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Susanne Kupczyk, Diätassistentin/medizinische Ernährungsberaterin/Diabetesassistentin DDG, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Alexander, K. (Hrsg.) u.a.: Thiemes Innere Medizin. Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2001
  • Suter, P.: Checkliste Ernährung. Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2005
  • Zhang, W. et al.: EULAR evidence based recommendations for gout. Part II: Management. Ann Rheum Dis 2006
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