Symptome bei Gicht: Vom Gichtanfall bis zur Gichtniere

Ein erhöhter Harnsäurespiegel bleibt oft lange Zeit ohne Symptome. Zur Gicht (medizinisch: Arthritis urica oder Urikopathie) kommt es erst dann, wenn die Konzentration einen bestimmten Wert überschreitet und die Harnsäure im Blut nicht mehr vollständig gelöst wird.

Es bilden sich Harnsäurekristalle, die sich in verschiedenen Geweben – vor allem in Gelenken – ablagern. Dort verursachen sie Entzündungen.

Der Gichtanfall: plötzlich stärkste Gelenkschmerzen

Der akute Gichtanfall setzt plötzlich – wie aus heiterem Himmel – ein und ist sehr schmerzhaft. Meist ist das Großzehengrundgelenk betroffen. Das Gelenk schwillt innerhalb weniger Stunden an, ist gerötet und warm und schmerzt bei Bewegung und Berührung. Der Gichtanfall kann aber auch an einem anderen Gelenk auftreten – etwa am Sprunggelenk, Kniegelenk, an Hand- oder Fingergelenken.

Die chronische Gicht: Kristallablagerungen im ganzen Körper

Wiederholte Gichtanfälle schädigen mit der Zeit die Gelenke. Der Arzt spricht dann von einer chronischen Gelenkgicht. Ein chronisch zu hoher Harnsäurespiegel ist aber auch für andere Organe gefährlich: Im Knochen abgelagerte Harnsäurekristalle machen das Knochengerüst brüchig und instabil. Lagern sich Harnsäurekristalle in der Haut ab, entstehen die typischen, schmerzlosen „Gicht-Tophi“ – kleine, unter der Haut verschiebliche Knötchen. Gichtknötchen an der dünnhäutigen Ohrmuschel werden auch „Gichtperle“ genannt.

Besonders gefährdet bei chronischer Gicht: die Niere

Lagert sich Harnsäure in der Niere ab, verstopfen die kleinen Filterkanäle. Dadurch wird die Ausscheidungsfunktion der Niere erheblich gestört und das empfindliche Nierengewebe nimmt Schaden.

Außerdem können sich aus den Harnsäurekristallen im Urin Steine bilden, die eine schmerzhafte Nierenkolik verursachen, aber auch den Harnabfluss behindern. Der dadurch entstehende Harnstau schädigt die Niere ebenfalls. Ein solch chronischer Nierenschaden – auch Gichtniere genannt – bis hin zum kompletten Nierenversagen ist bei einer gut behandelten Gicht glücklicherweise selten. Ist die Niere geschädigt, führt das oft zu Bluthochdruck, weil die Niere im Blutdruck-Regelkreislauf eine wichtige Rolle spielt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.02.2017
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Susanne Kupczyk, Diätassistentin/medizinische Ernährungsberaterin/Diabetesassistentin DDG, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Alexander, K. (Hrsg.) u.a.: Thiemes Innere Medizin. Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2001
  • Suter, P.: Checkliste Ernährung. Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2005
  • Zhang, W. et al.: EULAR evidence based recommendations for gout. Part II: Management. Ann Rheum Dis 2006
  • DEBInet: http://www.ernaehrung.de/tipps/gicht/
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