Gebärmutterkrebs: Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt zwei verschiedene Typen des Gebärmutterkrebses (Endometriumkarzinom): das Typ-I-Karzinom (östrogenabhängig) und das Typ-II-Karzinom (östrogenunabhängig). Bisher sind die genauen Ursachen für Gebärmutterkrebs noch nicht vollständig geklärt. Bekannt sind jedoch einige Risikofaktoren, die vor allem die Entstehung eines Typ-I-Karzinoms begünstigen können.

Risikofaktor für Gebärmutterkrebs: Alter

Ein Risikofaktor für Gebärmutterkrebs ist das Alter. Ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Risiko einer Krebserkrankung deutlich. Zum Vergleich: Während laut Robert Koch-Institut zwischen dem 35. und 39. Lebensjahr lediglich 2,3 von 100.000 Frauen pro Jahr ein Endometriumkarzinom bekommen, steigt die Zahl in der Altersgruppe zwischen dem 50. und dem 54. Lebensjahr bereits auf 26,4 Frauen pro 100.000. Im Durchschnitt sind Frauen 69 Jahre alt, wenn sie an Gebärmutterkrebs erkranken.

Risikofaktor für Gebärmutterkrebs: Östrogene

Für die Entstehung eines Typ-I-Karzinoms, um das es sich in über 80 Prozent der Gebärmutterkrebsfälle handelt, spielt ein langfristiger hoher Östrogeneinfluss auf den Körper eine entscheidende Rolle. Das körpereigene weibliche Geschlechtshormon Östrogen bewirkt, dass an der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) Drüsenzellen wachsen.

Normalerweise verhindert der Körper eine Entartung dieser Zellen, indem er durch den Einfluss des zweiten weiblichen Geschlechtshormons Gestagen (Gelbkörperhormon) die Gebärmutterschleimhaut während des Monatszyklus abstößt. Ist das Gleichgewicht zwischen den Hormonen Östrogen und Gestagen jedoch gestört, kommt es zu einer übermäßigen Stimulation der Gebärmutterschleimhaut, die dadurch zu wuchern beginnen kann. Mit der Zeit können einige Zellen entarten, Gebärmutterkrebs entsteht.

Wissenschaftler sehen eine wichtige Ursache der Entstehung von Gebärmutterkrebs in der Umstellung der Hormone während der Wechseljahre (Klimakterium). Denn der Körper stellt in dieser Zeit die Gestagen-Produktion ein, bildet aber immer noch Östrogene. Da ein Großteil der Östrogene-Produktion im Fettgewebe stattfindet, gehört auch Übergewichtigkeit zu den Risikofaktoren.

Erhält eine Frau in den Wechseljahren eine Hormonersatztherapie ausschließlich mit Östrogenen, stellt dies einen weiteren Risikofaktor dar. Wenn die Hormonersatztherapie, wie heutzutage üblich, jedoch aus einer Kombination von Östrogenen und Gestagenen besteht, steigt das Risiko einer Krebserkrankung nicht.

Auch kinderlose Frauen und Frauen, bei denen die Regelblutung früh und die Wechseljahre spät einsetzen, haben ein leicht erhöhtes Risiko für ein Endometriumkarzinom.

Risikofaktor für Gebärmutterkrebs: Vererbung

Eine Veranlagung für Gebärmutterkrebs kann auch vererbt sein. Meist handelt es sich dabei um das HNPCC-Syndrom (Hereditary-Non-Polyposis-Colon-Cancer-Syndrom bzw. Lynch-Syndrom), eine Form des familiären Dickdarmkrebses. Bei Patientinnen mit der Anlage zu einem HNPCC-Syndrom entwickelt sich in 40 bis 60 Prozent ein Gebärmutterkrebs.

Als weitere Risikofaktoren für Gebärmutterkrebs gelten:

  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom)
  • Unfruchtbarkeit
  • Die Einnahme von Tamixofen aufgrund einer Brustkrebserkrankung
  • Strahlenbehandlung im Bereich des Beckens oder des Bauchraums
  • Östrogenbildende Tumoren der Eierstöcke (Granulosazelltumor)
  • Atypische Hyperplasie (krankhafte Veränderung der Gebärmutterschleimhaut)

Risikosenkende Faktoren

Es gibt jedoch auch Faktoren, die das Risiko für Gebärmutterkrebs senken können. Dazu gehören zum Beispiel die oralen Kontrazeptiva (Antibabypille), vor allem Östrogen-Gestagen-Kombinationen. Durch das enthaltene Gestagen scheinen diese Präparate einen schützenden Effekt zu haben. Weitere risikomindernde Faktoren sind beispielsweise mehrere Schwangerschaften (Multiparität) und körperliche Bewegung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.04.2012
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Deutsche Krebsgesellschaft: Gebärmutterkörperkrebs
  • Universitätsklinikum Ulm, Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU): Gebärmutterkrebs
  • Berufsverband der Frauenärzte (www.frauenaerzte-im-netz.de): Gebärmutterkörperkrebs
  • Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) (2008): Diagnostik und Therapie des Endometriumkarzinoms
  • Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (2012): Krebs in Deutschland 2007/2008
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Gebärmutterkörperkrebs: Das Endometriumkarzinom
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