Akute Gallengangentzündung (Cholangitis)

Die Gallengänge sind sehr klein und fein verästelt und deshalb anfällig für Stauungen der Gallenflüssigkeit und Entzündungen. In den meisten Fällen entsteht eine Gallengangentzündung durch Gallensteine, die die Gallenwege verstopfen und so die Galle am abfließen hindern.

In der gestauten Gallenflüssigkeit haben Bakterien leichtes Spiel. Die Bakterien wie Escherichia coli, Clostridium perfringens oder Salmonellen sind meist aus dem Darm über die Pfortader und die Leberarterie in die Gallengänge gelangt.

In selteneren Fällen sind nicht Gallensteine, sondern Tumoren, angeborene Anomalien der Gallengänge oder Vernarbungen, die die Gallengänge enger machen, für die Abflussbehinderung verantwortlich und damit Ursache für eine Gallengangentzündung. Zudem kann auch eine Gallenblasenentzündung auf die Gallengänge übergreifen.

Symptome bei einer Gallengangentzündung

Bei einer akuten Gallengangentzündung kommt es zu plötzlich auftretendem, hohem Fieber mit Schüttelfrost – meist in Schüben. Auch unterschiedlich starke Schmerzen im rechten Oberbauch sowie Gelbsucht (Ikterus) – also eine Gelbfärbung der Haut und Augen – treten auf. Darüber hinaus färbt sich der Urin dunkel und der Stuhl entfärbt sich. Zusammen mit einem starken Krankheitsgefühl bezeichnet man diese Symptome als Charcot-Trias. Daneben reagiert auch die Leber auf Druck empfindlich.

Diagnostik der Gallengangentzündung

Die Diagnose Gallengangentzündung kann meist mit einer Anamnese und einigen Untersuchungen gestellt werden. Da die Leber druckempfindlich ist, treten bei einer Tastuntersuchung Schmerzen auf. Ein Bluttest zeigt erhöhte Werte für die Parameter, die eine Entzündung anzeigen oder auf einen Gallenstau hinweisen: Beispielsweise sind die Bilirubinwerte erhöht.

Eine Sonografie (Ultraschall) oder die endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie (ERCP) können die Diagnose sichern. Letztere ist eine Untersuchung, bei der der Arzt ein Endoskop über den Magen-Darm-Trakt in den Zwölffingerdarm einführt und von dort Kontrastmittel entgegen der Fließrichtung der Gallenflüssigkeit (retrograd) in die Gallengänge spritzt. Ein anschließend angefertigtes Röntgenbild zeigt die Gallengänge und eventuell darin vorhandene Gallensteine.

Therapie der Gallengangentzündung

Bei einer akuten Gallengangentzündung müssen Antibiotika eingesetzt werden, um die Entzündung zu lindern. Gallensteine, die in einem Gallengang festsitzen und die Cholangitis ausgelöst haben, müssen entfernt werden. Das geschieht meist während der endoskopisch retrograden Cholangio-Pankreatikografie. Dazu führt der Arzt während der Untersuchung zusätzlich eine spezielle Schlinge – die sogenannte Dormia-Schlinge – ein und entfernt mit ihrer Hilfe den Gallenstein.

Schnelle Therapie verhindert Komplikationen

Eine akute Gallengangentzündung muss schnell behandelt werden. Denn sonst kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Beispielsweise kann eine Blutvergiftung durch Bakterien auftreten. Das ist lebensgefährlich. Des Weiteren können Abszesse im Lebergewebe entstehen. In seltenen Fällen verursacht die Gallengangentzündung eine sekundäre biliäre Zirrhose – also eine von den Gallengängen ausgehende Leberzirrhose.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.08.2012
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Anja Dolski, Medizinredakteurin; Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin, 6. Auflage (2009)
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