Diagnostik bei FSME und Borreliose

Bei einem Verdacht auf FSME stellt der Arzt die Diagnose mittels eines Bluttests. Bei der Borreliose gibt die Wanderröte – das Erythema migrans – einen ersten Anhaltspunkt auf eine Infektion. Der Arzt sichert die Diagnose mittels Bluttest und Liquor-Entnahme.

Frühe Symptome bei FSME und Borreliose

Die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) äußern sich in den frühen Krankheitsphasen durch recht allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, Schwindel und Kopfschmerzen. Bei der Borreliose kommt meistens noch das Erythema migrans, die typische Wanderröte, hinzu.

Diagnose der Borreliose: Bluttest und Liquor-Entnahme

Auch in dem Fall, dass eine Wanderröte Hinweise auf eine Borreliose-Infektion gibt, kann der Arzt zusätzlich einen Bluttest veranlassen. Dabei sucht er im Blut nach entsprechenden Entzündungsparametern. Bei Verdacht, dass auch das Nervensystem beteiligt ist, entnimmt der Arzt zusätzlich Nervenflüssigkeit (Liquor) aus dem Rückenmark. Dazu punktiert er im Lendenwirbelbereich den Wirbelkanal mit einer Nadel. Die Nervenflüssigkeit untersucht er dann unter anderem auf Zellen und Antikörper.

Bei der Diagnostik der Borreliose ist unter anderem die Zahl der Lymphozyten (lymphozytäre Pleozytose) von Bedeutung. In manchen Fällen lässt sich auch der Erreger Borrelia burgdorferi selbst im Liquor nachweisen. Dieser Fund sollte allerdings wiederum durch weitere Tests abgesichert werden und ist als Suchtest bei Verdacht auf eine Borreliose allein nicht geeignet.

Der borrelienspezifische Antikörper-Index zur Diagnose einer Borreliose

Der Nachweis einer Borreliose ist nicht ganz einfach. Etwa drei Wochen nach dem Zeckenbiss lassen sich IgM-Antikörper nachweisen – aber dies nur bei etwa 20 bis 50 Prozent der Patienten. Erst einige Wochen später, wenn oft schon brennende Schmerzen und Lähmungen auftreten, können Labormediziner die IgG-Antikörper bei 70 bis 90 Prozent der Betroffenen nachweisen. In der späten Borreliose-Phase hat der Körper inzwischen so viele Antikörper gebildet, dass ein Nachweis meistens kein Problem mehr ist. Aus den vorhandenen Antikörpern, die der Körper gegen die Borrelien gebildet hat, und den entzündlichen Liquorveränderungen kann der Arzt einen Quotienten errechnen – den AI (Antikörper Index) – der die Borreliose bestätigt.

Liquorentnahme zur Borreliose-Diagnose: der Chemokin CXCL13-Spiegel

In der gewonnen Liquorflüssigkeit lässt sich bei Borreliose ein weiterer Stoff nachweisen: das Chemokin CXCL13, ein Oberflächeneiweiß, das an der Immunantwort beteiligt ist. Der Arzt kann an diesem Wert den Krankheitsverlauf gut ablesen, da er unter einer erfolgreichen Therapie abnimmt. Allerdings ist dieser Test bisher noch nicht standardisiert und CXCL13 kann auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein.

Borreliose: umstrittene Nachweismethoden

Bei medizinischen Experten sind einige Nachweismethoden sehr umstritten – so der Lymphozytentransformationstest (LTT) und die Bestimmung der CD57+NK Lymphozyten. Diese beiden Testverfahren können zu falsch-positiven Ergebnissen führen. Das bedeutet: Bei gesunden Menschen wird fälschlicherweise eine Borreliose diagnostiziert.

Folgende Tests zum Nachweis einer Borreliose werden in den aktuellen Leitlinien ebenfalls nicht empfohlen:
  • Ein Antigennachweis aus anderen Körperflüssigkeiten als dem Liquor,
  • der Nachweis von Immunkomplexen,
  • der Nachweis von Sphäroblasten,
  • der „Visual Contrast Sensitivity Test“, bei dem ein Giftstoff, der von den Borrelien gebildet werden soll, nachgewiesen wird.
Da diese Tests in den Leitlinien nicht empfohlen werden, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für diese Methoden nicht.

Auch die frei erhältlichen serologischen Schnelltests werden aufgrund hoher Fehlerquoten in der Leitlinie nicht empfohlen.

Die Diagnose von FSME

Das FSME-Virus beziehungsweise sein Genom lässt sich zu Beginn der Infektion oft direkt im Blut beziehungsweise in der Nervenflüssigkeit (Liquor) nachweisen. In der späteren Phase erfolgt der Nachweis indirekt: Die FSME-Infektion zeigt sich an Abwehrstoffen (Antikörpern), die der Organismus bei der Bekämpfung des Virus bildet. Wenn der Patient jedoch gegen FSME geimpft ist, reicht der Nachweis von Antikörpern im Blut oder Serum für die Diagnose FSME nicht. Die Antikörper können auch eine Reaktion auf den Impfstoff sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.04.2018
  • Autor/in: Dr. med. Michaela Axt-Gadermann, Hautfachärztin und Medizinjournalistin; Dr. Anne Dietel, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Robert Koch Institut: Ratgeber zur Frühsommer-Meningoenzephalitis
  • Robert Koch Institut: Epidemiologisches Bulletin zur Lyme-Borreliose
  • Robert Koch-Institut: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), 2015. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_FSME.html
  • Robert Koch-Institut: Häufig gestellte Fragen zu Borreliose, 2014. http://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Borreliose/Borreliose.html
  • Dr. V. Fingerle: Lyme-Borreliose, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borreliose/lyme_therapie.htm
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Nationales Referenzzentrum für Borrelien; http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borreliose/nrz_borrelien.htm, Stand: 2017.
  • Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: Neuroborreliose, Entwicklungsstufe S3.
  • Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 2018: https://www.dgn.org/leitlinien/3567-ll-030-071-2018-neuroborreliose#wasgibtes
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung