Therapie beim Fibromyalgiesyndrom: Medikamente

Es gibt kein Medikament, das in Deutschland speziell für die Therapie des Fibromyalgiesyndroms zugelassen wäre. Die Arzneimittel die eingesetzt werden, werden off label verschrieben, das heißt sie sind zwar nicht für die Krankheit zugelassen, werden aber – im Rahmen von Leitlinien – dennoch häufig verwendet.

Beim Fibromyalgiesyndrom sind diese off label verschriebenen Medikamente meist Antidepressiva, vor allem wenn Angststörungen oder depressive Verstimmungen die Schmerzen begleiten. Auch Pregabalin – ein Antikonvulsivum – wird auf diese Weise eingesetzt.

Mit Antidepressiva gegen das Fibromyalgiesyndrom

Die meisten Fibromyalgiepatienten sehen ihr Problem vorrangig in den Schmerzen und sind deshalb skeptisch, was die Einnahme von Antidepressiva angeht. Doch können die Medikamente auch einen Einfluss auf die Schmerzen, die Müdigkeit und eventuell auftretende Schlafstörungen nehmen. Antidepressiva sind vor allem dann anzuraten, wenn Begleitsymptome wie depressive Verstimmungen oder Angststörungen auftreten.

Die Antidepressiva, die beim Fibromyalgiesyndrom zwar nicht zugelassen sind, jedoch von der Leitlinie empfohlen werden, sind trizyklische Antidepressiva – hauptsächlich Amitriptylin – und der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin. Eine Wirksamkeit konnte vor allem für Amitriptylin bestätigt werden. Es ist deshalb Mittel der ersten Wahl. Kann es nicht eingesetzt werden, wird meist auf Duloxetin zurückgegriffen.

Daneben können weitere Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zum Einsatz kommen – beispielsweise Fluoxetin oder Paroxetin. Antidepressiva sollten jedoch immer nur kurzfristig eingenommen werden und können Nebenwirkungen auslösen.

Pregabalin beim Fibromyalgiesyndrom

Wenn Amitriptylin nicht wirkt, oder wegen einer Kontraindikation nicht eingesetzt werden kann, kann eventuell eine Therapie mit Pregabalin erfolgen. Das Medikament wird vor allem gegen Nervenschmerzen und epileptische Anfälle verschrieben, es kann jedoch auch beim Fibromyalgiesyndrom die Schmerzen und Schlafstörungen reduzieren. Auch Pregabalin ist nicht zur Behandlung des FMS zugelassen und muss off label angewendet werden.

Nicht empfohlene Medikamente beim Fibromyalgiesyndrom

Darüber hinaus gibt es einige Medikamente, die in der Leitlinie der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS) ausdrücklich nicht empfohlen werden. Dazu gehören weitere Antidepressiva wie Tranquilizer (Angstlöser), Schlafmittel und Neuroleptika. Denn für diese Mittel konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie beim Fibroymalgiesyndrom wirken. Zudem haben sie zum Teil erhebliche Nebenwirkungen. Deshalb sollten sie nicht eingesetzt werden. Auch für Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika, Acetylsalicylsäure oder Paracetamol gibt es keine Wirksamkeitsnachweise. Von einer Verwendung wird deshalb abgeraten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.07.2012
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Leitlinie der Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms (2012)
  • Universitätsklinikum Heidelberg: Patienteninformation über Fibromyalgie: http://www.fibro-heidelberg.de/
  • Fibromyalgie – jeden Tag neu beginnen: Ratgeber der Deutschen Rheumaliga (2008)
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