So wird die Diagnose Fibromyalgiesyndrom gestellt

Häufig sind Menschen mit dem Fibromyalgiesyndrom über Jahre hinweg von Arzt zu Arzt gelaufen, bevor die richtige Diagnose gestellt wurde. Denn die Diagnosestellung beim FMS ist nicht leicht.

Das liegt zum einen daran, dass die Erkrankung viele verschiedene Symptome auslösen kann, die auch bei anderen Krankheiten auftreten können. Zum anderen gibt es keine Laboruntersuchungen oder bildgebenden Verfahren, mithilfe derer das Fibromyalgiesyndrom nachgewiesen werden könnte.

Andere Erkrankungen ausschließen

Dennoch sind Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren wichtig, um die Diagnose Fibromyalgiesyndrom stellen zu können. Denn auf diese Weise kann der Arzt andere Krankheiten, die ähnliche oder gleiche Symptome verursachen, ausschließen.

Weichen bei einer Blutuntersuchung beispielsweise bestimmte Werte von den Normwerten ab, kann das ein Hinweis auf entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis sein. Auch Stoffwechselerkrankungen wie eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse können so festgestellt oder ausgeschlossen werden. Mithilfe von bildgebenden Verfahren – etwa einer Röntgenuntersuchung – lassen sich Veränderungen an Knochen und Gelenken, zum Beispiel eine Arthrose (Gelenkverschleiß) als Ursache für die Schmerzen ausschließen.

Anamnese wichtig für die Diagnose

Auch eine genaue Anamnese, das heißt Erhebung der Krankengeschichte, ist bei der Diagnostik des Fibromyalgiesyndroms sehr wichtig. Dabei wird der Arzt nach einer Medikamenteneinnahme fragen. Denn viele Arzneimittel können als Nebenwirkungen Muskel- und Gelenkschmerzen auslösen. Ein Beispiel sind Statine, die bei Fettstoffwechselstörungen eingesetzt werden. Sie verursachen in bis zu 15 Prozent der Fälle Schmerzen im Bewegungsapparat.

Neben der Medikamenteneinnahme wird der Arzt auch nach den Symptomen und den damit verbundenen Einschränkungen fragen. Häufig bittet er den Betroffenen auch, eine Schmerzskizze anzufertigen, in die er seine Schmerzpunkte einzeichnet. Auch persönliche Fragen zum Alltag des Patienten, seelischen Beschwerden oder Stress können dem Mediziner wichtige Hinweise geben.

Druckpunkte führen zur Diagnose

Ergeben die Untersuchungen keinen Hinweis auf eine andere Erkrankung, bedeutet das noch nicht, dass tatsächlich das Fibromyalgiesyndrom hinter den Schmerzen steckt. Laut American College of Rheumatology müssen noch drei weitere Kriterien zutreffen, um die Diagnose FMS stellen zu können: Die Schmerzen müssen über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten. Beide Körperhälften müssen betroffen sein und mindestens 11 von 18 Druckpunkten müssen auf Druck schmerzhaft reagieren. Letzteres ist eines der wichtigsten Diagnosekriterien beim Fibromyalgiesyndrom. Denn Druckpunkte (Tender Points) an den Übergängen von Muskeln zu Sehnen sind typisch für das FMS.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.07.2012
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Leitlinie der Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms (2012)
  • Universitätsklinikum Heidelberg: Patienteninformation über Fibromyalgie: http://www.fibro-heidelberg.de/
  • Fibromyalgie – jeden Tag neu beginnen: Ratgeber der Deutschen Rheumaliga (2008)
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung