Stoffwechselbedingte Ursachen von Fettstoffwechselstörungen

Die häufigste Ursache für Fettstoffwechselstörungen ist eine genetische Fehlregulation, die durch eine falsche Ernährungsweise, also den übermäßigen Verzehr von tierischen Fetten, verschlimmert wird. Aber auch bestimmte Krankheiten sind mögliche Auslöser.

Schilddrüsenunterfunktion kann auch Fettstoffwechsel stören

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann zu Fettstoffwechselstörungen führen. Bei Patienten mit einer Hypothyreose ist die Anzahl der Andockstellen (Rezeptoren) für die Lipoproteine an den Leberzellen vermindert. Die Rezeptoren ermöglichen und regulieren die Aufnahme der Lipoproteine in die Zelle. Je weniger Lipoproteinrezeptoren vorhanden sind, umso mehr cholesterinreiche LDL und IDL zirkulieren im Blut. Eine Therapie der Schilddrüsenunterfunktion verbessert die Blutfettwerte meistens. Bei der Diagnostik der Fettstoffwechselstörungen sollte der Arzt deshalb in jedem Fall die Schilddrüsenhormone kontrollieren.

Hyperlipidämie durch Diabetes mellitus

Fettstoffwechselstörungen treten sehr häufig bei Patienten mit Diabetes mellitus auf. Zum einen können beide Stoffwechselstörungen gleichzeitig vorliegen, zum anderen verschlechtert eine schlechte Blutzuckereinstellung die Blutfettwerte. Bei einem erhöhten Blutzuckerspiegel kommt es zu einer vermehrten Freisetzung von Fettsäuren aus dem peripheren Fettgewebe und einer gesteigerten Triglyzerid- und VLDL-Produktion in den Leberzellen. Der Abbau von VLDL zu LDL ist vermindert, weshalb der LDL-Spiegel oft wenig beeinflusst ist. Neben der Erhöhung der Triglyzeride und der VLDL sind auch niedrige HDL-Spiegel typisch für Diabetiker.

Ist der Blutzuckerspiegel jedoch gut eingestellt, ist die Hyperlipidämie in der Regel gut zu kontrollieren. Häufig treten Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus beziehungsweise eine Insulinresistenz mit Adipositas (Übergewicht) und Bluthochdruck gemeinsam auf. Experten sprechen in diesem Fall vom metabolischen Syndrom. Ursache dafür ist meistens eine ungesunde Lebensweise: Bewegungsmangel, Nikotinkonsum und eine Ernährungsweise, die zu viel tierische Fette und schnell verstoffwechselbare Zucker enthält. Schnell verstoffwechselbare Zucker finden sich vor allem in Süßigkeiten, Keksen, Kuchen, Cornflakes, Weißbrot und Soft-Drinks.

Magersucht als Ursache einer Fettstoffwechselstörung

Interessanterweise kann auch Magersucht eine Hypercholesterinämie hervorrufen. Es gibt verschiedene Hypothesen für diesen Zusammenhang: Ein häufig erhöhter Spiegel des Stresshormons Cortisol – wie er für Magersucht typisch ist – und wiederholte Diäten führen zu einer erhöhten Fettspaltung (Lipolyse) in den Fettzellen. Auch die oft zu beobachtende körperliche Hyperaktivität, mit der Magersüchtige einer Gewichtszunahme entgegenwirken wollen, steigert die Lipolyse. Dies alles führt zu erhöhten Fettwerten im Blut. Auch der durch die geringe Nahrungsaufnahme stark verlangsamte Stoffwechsel mit geringem Grundumsatz kann zu einer Erhöhung der Lipoproteine führen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.05.2017
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Dr. Ursula Kassner, Ärztin, Lipidambulanz Campus Virchow Klinikum, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Jean-Pierre Després, Isabelle Lemieux, Denis Prud`hommeTreatment of obesity: Need to focus on high risk abdominally obese patientsBMJ 2001, 322:716-20
  • NCEP Report - Implications of Recent Clinical Trials for the National Cholesterol Education ProgramAdult Treatment Pannel der III Guidelines
  • European Guidelines on CVD prevention, Third Joint European Societies Tasks Force on CVD Prevention in Clinical Practice, European Heart Journal (2003)24, 1601-1610
  • Handbuch der Fettstoffwechselstörungen - Schwandt, Peter, Parhofer, Klaus (Hgg.) Schattauer-Verlag, 3.Aufl. 2007
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