Fettstoffwechselstörungen: Therapie mit Gallensäurebindern, Phytosterolen und Ezetimib

Bei Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipoproteinämie) verschreiben Ärzte häufig Statine, Fibrate und Nikotinsäure. Diese Medikamente wirken in der Leber und im Blut. Daneben gibt es aber noch Medikamente, die im Darm wirken. Zu diesen zählen Phytosterine (Phytosterole), Gallensäureaustauschharze und Ezetimib.

Phytosterin – das pflanzliche Cholesterin

Phytosterin ist ein pflanzliches „Cholesterin“, das jedoch keine Arteriosklerose verursacht. Im Gegenteil: Es senkt den Cholesterinspiegel im Blut, indem es die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm ins Blut hemmt. Es konkurriert mit dem in seiner Struktur ähnlichen Cholesterin um die Resorption in der Darmschleimhaut. Phytosterin ist als Zusatz in Margarinen im Lebensmittelhandel erhältlich. Bei der Einnahme von Phytosterinen besteht die Möglichkeit, dass fettlösliche Vitamine wie Vitamin A und E nicht in ausreichendem Maß aufgenommen werden. Aus diesem Grund sollten Phytosterine nicht von Kindern unter fünf Jahren, Schwangeren und Stillenden eingenommen werden.

Ezetimib hemmt die Cholesterin-Resorption im Darm

Ezetimib wirkt ähnlich wie die Phytosterine. Es hemmt im Darm die Cholesterinaufnahme aus der Nahrung. Nur die Hälfte des mit der Nahrung aufgenommenen Cholesterins gelangt ins Blut. Als Folge produzieren die Körperzellen mehr eigenes Cholesterin und nehmen vermehrt schädliches LDL-Cholesterin aus dem Blut auf. Das LDL-Cholesterin lässt sich so um annähernd 20 Prozent senken. Häufig wird das Ezetimib mit einem Statin kombiniert, um den Cholesterinspiegel noch stärker zu senken. Außerdem kann in dieser Kombination die Dosis des Statins niedriger bleiben.

Wird Ezetimib zusammen mit einem Statin eingenommen, muss dessen spezielles Nebenwirkungs- und Gegenanzeigenprofil beachtet werden. Werden zum Beispiel gleichzeitig Antazida (Magensäureneutralisierer) eingenommen, kann die Wirkung von Ezetimib vermindert sein. Außerdem sollte darauf hingewiesen werden, dass Ezetimib das Reaktionsvermögen beeinflussen kann.

Gallensäurebinder beeinflussen die Leberfunktion

Gallensäurebinder – auch Gallensäureharze oder Anionenaustauscherharze genannt – wie das Colestyramin wirken ebenfalls im Darm: Sie behindern die Wiederaufnahme von Gallensäuren ins Blut. So werden die Leberzellen angeregt, mehr Gallensäuren zu bilden. Das hierzu notwendige Cholesterin ziehen sie aus dem Blut. Als Folge sinkt der Cholesterinspiegel.

Da Gallensäureaustauscherharze die Aufnahme anderer Medikamente im Darm beeinflussen können, muss deren Dosis bei gemeinsamer Einnahme gegebenenfalls angepasst werden. Manchmal reicht es auch, die beiden Medikamente in einer bestimmten zeitlichen Reihenfolge einzunehmen. Zu rasches Absetzen des Austauscherharzes kann zu bedrohlichen Situationen führen, wenn die Dosis der anderen Medikamente dann zu hoch ist. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.05.2017
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Dr. Ursula Kassner, Ärztin, Lipidambulanz Campus Virchow Klinikum, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Jean-Pierre Després, Isabelle Lemieux, Denis Prud`hommeTreatment of obesity: Need to focus on high risk abdominally obese patientsBMJ 2001, 322:716-20
  • NCEP Report - Implications of Recent Clinical Trials for the National Cholesterol Education ProgramAdult Treatment Pannel der III Guidelines
  • European Guidelines on CVD prevention, Third Joint European Societies Tasks Force on CVD Prevention in Clinical Practice, European Heart Journal (2003)24, 1601-1610
  • Handbuch der Fettstoffwechselstörungen - Schwandt, Peter, Parhofer, Klaus (Hgg.) Schattauer-Verlag, 3.Aufl. 2007
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