Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipoproteinämie): Knoblauch, Phytosterin, Lezithin

Knoblauch gehört in vielen deutschen Küchen inzwischen zur täglichen Ingredienz. Er ist schmackhaft, doch ist er auch ein Jungbrunnen für die Gefäße, wie so oft behauptet? Tatsächlich: Die kleine weiße Knolle kann die Thrombozytenaggregation, sprich die Bildung von Blutgerinnseln, und Entzündungen hemmen, außerdem senkt sie geringfügig den Blutdruck. Durch frischen Knoblauch lässt sich auch das Cholesterin um maximal 18 Prozent reduzieren – jedoch erst bei Mengen von 15 bis 60 g pro Tag, das entspricht sieben bis 28 Knoblauchzehen.

Es gibt auch fertige Knoblauchzubereitungen, etwa Knoblauchkapseln. Einige Studien haben gezeigt, dass diese Produkte das schlechte LDL-Cholesterin geringfügig um 6,6 mg/dl senken können, bei gleichzeitiger Erhöhung des guten HDL-Cholesterins um 2,7 mg/dl. Die Studienergebnisse weichen teilweise jedoch stark voneinander ab. Experten sind sich noch nicht einig, ob und wie sinnvoll es ist, Knoblauchextrakte zu kaufen oder täglich große Mengen von Knoblauchzehen zu verzehren.

Pflanzenöl, Nüsse, Samen, Gemüse und Obst hemmen die Aufnahme von Cholesterin

Margarine und Milchprodukte werden in letzter Zeit immer häufiger mit Phytosterin, einer Art Pflanzen-Cholesterin, angereichert. Diese Entwicklung ist kein überflüssiger Modetrend, sondern tatsächlich sinnvoll: Phytosterin, beziehungsweise das industriell hergestellte Beta-Sitosterin, kann nachweislich das Cholesterin senken. Der Grund ist seine enge Verwandtschaft mit dem normalen, in Fleisch und Milchprodukten enthaltenen Cholesterin. Die beiden Cholesterinarten konkurrieren um die Aufnahme von Gallensäure. Je mehr Phytosterine mit der Nahrung in den Darm gelangen, desto geringer die Chance für das normale Cholesterin, an Gallensäure gebunden und in die Leber aufgenommen zu werden. Es wird größtenteils ausgeschieden und kann so nur eingeschränkt seine gefäßschädigende Wirkung entfalten.

Wer täglich – statt Butter – 25 g Phytomargarine zu sich nimmt, kann sein Cholesterin um bis zu 25 Prozent senken. Keinen zusätzlichen Effekt bringen die Phytosterine bei gleichzeitiger Behandlung mit Ezetimib, einem cholesterinsenkenden Medikament, das ebenfalls die Resorption von Cholesterin aus dem Darm hemmt.

Möglicherweise kann es unter der Einnahme von Phytosterinen zu einer Unterversorgung mit fettlöslichen Vitaminen kommen, beispielsweise mit Vitamin A und E.

Cholesterin-Hemmer Lezithin ist enthalten in Bohnen, Linsen, Karotten, Knollensellerie, Fisch und Eigelb

Lezithin ist ein bekannter Cholesterin-Hemmer. Es enthält mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Lezithin senkt den Cholesterinspiegel dadurch, das es den raschen Abtransport des Cholesterins aus dem Blut beschleunigt. Um eine deutliche Cholesterin-Senkung zu erreichen, sind große Mengen an Lezithin erforderlich. Lezithin wird deshalb auch als Nahrungsergänzungsprodukt in Form von Granulat oder Soft-Gel angeboten. Größere Mengen an Lezithin sind aber auch enthalten in:
  • Fisch
  • Hülsenfrüchten, wie Bohnen und Linsen
  • Wurzelgemüse, etwa Karotten und Knollensellerie
  • Eigelb
Lezithin ist auch in Sojabohnen enthalten. Wer verarbeitete Sojabohnen-Produkte, wie Tofu und Sojamilch, zu sich nimmt, profitiert zugleich von der cholesterinsenkenden Wirkung des Sojaeiweißes. Dieses senkt den LDL-Cholesterinspiegel. Studien zeigen, dass die Senkung umso stärker ist, je höher das Cholesterin liegt. Vermutlich steigern die Sojaeiweiß-Aminosäuren die LDL-Rezptoraktivität in der Leber, so dass mehr LDL-Cholestrin, sprich schädliches Cholesterin, aus dem Blut ins Zellinnere gelangt. Das LDL-Cholesterin wird förmlich aus dem Verkehr gezogen und kann nicht mehr die Wände der Arterien schädigen. Soja verringert außerdem die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.02.2011
  • Autor/in: Dr. Maria Beate Effertz, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • Quellen: Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Lipide?, Anja Vogt, Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Pharm. Unserer Zeit, 2003.(6), Wiley-VCH Verlag, Weinheim
  • Lipidambulanz im Interdisziplinären Stoffwechselzentrum der Charite, Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen Thiessen, http://lipidambulanz.charite.de
  • Gerd Herold, Lehrbuch der Inneren Medizin, 2005, Kapitel: Stoffwechselstörungen
  • P. Schwandt, W. Richter, K. Pahofer, Handbuch der Fettstoffwechselstörungen, Schattauer Verlag, 2000
  • European Guidelines on CVD prevention, Third Joint European Societies Tasks Force on CVD Prevention in Clinical Practice, European Heart Journal (2003)24, 1601-1610
  • Werner O. Richter, Taschenbuch der Fettstoffwechselstörungen, Praktische Tipps und Therapie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2004
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