Ballaststoffe bei Fettstoffwechselstörungen

Knoblauch hält die Gefäße jung, Vitamin E und Ballaststoffe schützen die Arterien - derartige Behauptungen sind in Frauenzeitschriften und in der Werbung immer wieder zu lesen. Doch stimmen sie? Was ist wahr, was nur ein Gerücht?

Was die Ballaststoffe betrifft, so stimmt es tatsächlich, dass sie positiv auf das Cholesterin und folglich auch auf die Gefäße wirken. Es gibt wasserlösliche Ballaststoffe und nicht lösliche Ballaststoffe.

Äpfel, Zitronen und Orangen können Cholesterin senken

Die Gele, die sich durch wasserlösliche Ballaststoffe im Darm bilden, regen den Darm zu intensiverer Bewegung (Peristaltik) an. Dadurch wird der Nahrungsbrei schneller durch den Darm transportiert, das Cholesterin wird nicht mehr so gut resorbiert und daher ausgeschieden. Außerdem werden vermehrt Gallensäuren gebunden und ausgeschieden – beim daraus resultierenden gesteigerten Gallensäurenneuaufbau wird Cholesterin aus dem Blut entfernt.

Zu den wasserlöslichen Ballaststoffen zählen zum Beispiel Pflanzengummis, Flohsamen und Pektin. Besonders in Äpfeln und Zitrusfrüchten ist Pektin reichlich enthalten. Zehn Gramm Pektin täglich können den Cholesterinspiegel um rund 21 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) senken. Allerdings ist es nicht leicht, auf natürlichem Wege größere Mengen Pektin zu sich zu nehmen: Ein Apfel enthält etwa ein Gramm Pektin. Es gibt Pektin auch in höherer Konzentration als Fertigprodukt.

Wer einen CSE-Hemmer – ein lipidsenkendes Medikament – einnimmt, sollte jedoch vorsichtig sein, da Pektin-Fertigprodukte die Wirkung dieses Medikaments verringern können. Grundsätzlich empfiehlt es sich für Patienten mit Fettstoffwechselstörungen, den Arzt zu informieren, wenn sie ein Nahrungsergänzungsprodukt einnehmen.

Die nicht löslichen Ballaststoffe wie Zellulose, die zum Beispiel in Haferflocken, Weizenkleie, Gemüse und Obst enthalten sind, senken ebenfalls das Cholesterin. Doch diese Wirkung ist nur auf indirektem Wege zu erklären: Wer reichlich Ballaststoffe verzehrt, isst in der Regel weniger Fett und nimmt somit weniger Cholesterin zu sich.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.05.2017
  • Autor/in: Dr. Maria Beate Effertz, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Lipide?, Anja Vogt, Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Pharm. Unserer Zeit, 2003.(6), Wiley-VCH Verlag, Weinheim
  • Lipidambulanz im Interdisziplinären Stoffwechselzentrum der Charite, Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen Thiessen, http://lipidambulanz.charite.de
  • Gerd Herold, Lehrbuch der Inneren Medizin, 2005, Kapitel: Stoffwechselstörungen
  • P. Schwandt, W. Richter, K. Pahofer, Handbuch der Fettstoffwechselstörungen, Schattauer Verlag, 2000
  • European Guidelines on CVD prevention, Third Joint European Societies Tasks Force on CVD Prevention in Clinical Practice, European Heart Journal (2003)24, 1601-1610
  • Werner O. Richter, Taschenbuch der Fettstoffwechselstörungen, Praktische Tipps und Therapie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2004