Fettstoffwechselstörungen können zu Demenz führen

Fettstoffwechselstörungen fördern nicht nur Herz-Kreislauf-Krankheiten wie die koronare Herzkrankheit und die periphere Verschlusskrankheit, auch Schaufensterkrankheit genannt. Die Gefäßschäden, die die Fettstoffwechselstörungen hervorrufen, können auch die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen. Die Folge ist in diesem Fall eine vaskuläre, also eine gefäßbedingte Demenz.

Fettstoffwechselstörungen: Risiko für Alzheimer erhöht

Fettstoffwechselstörungen können auch eine direkte Ursache für die Entstehung der Alzheimer-Krankheit sein. Forscher gehen davon aus, dass sich dieser Zusammenhang so verhält: Ein erhöhter Cholesterinspiegel im Gehirn aktiviert das Enzym Gamma-Sekretase. Dieses Enzym spaltet das sogenannte Amyloid-Vorläuferprotein in verschiedene Teile – darunter β-Amyloid40 und β-Amyloid42. Ist ein Überschuss an β-Amyloid42 vorhanden, lagert es sich an den Nervenzellen des Gehirns an und schädigt sie. In der Gehirnsubstanz von Alzheimerpatienten finden sich vermehrt diese Amyloid-Plaques.

Außerdem trägt β-Amyloid42 dazu bei, dass ein Fettmolekül, das wichtiger Bestandteil von Nervenzellen ist, das Sphingomyelin, vermehrt abgebaut wird. Das andere Eiweiß – β-Amyloid40 – spielt auch eine Rolle bei der Regulierung des Fettstoffwechsels: Es bremst die Herstellung von Cholesterin. So entsteht ein Regelkreis: Ein hoher Cholesterinspiegel führt zur verstärkten Bildung von β-Amyloid, woraufhin der Cholesterinspiegel gesenkt wird. Daraufhin entsteht weniger β-Amyloid, was den Cholesterinspiegel ansteigen lässt. 

Ist jedoch zu viel Cholesterin vorhanden, kommt dieser Regelkreis aus dem Gleichgewicht: Es wird übermäßig viel β-Amyloid gebildet – darunter das β-Amyloid42, das Alzheimer verursacht.

Lipidsenkende Medikamente wie Statine helfen, eine Überproduktion von β-Amyloid zu verringern. Dieser positive Effekt auf die Alzheimer-Krankheit könnte einen vielversprechenden Weg in der Alzheimer-Therapie darstellen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.05.2017
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Dr. Ursula Kassner, Ärztin, Lipidambulanz Campus Virchow Klinikum, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Jean-Pierre Després, Isabelle Lemieux, Denis Prud`hommeTreatment of obesity: Need to focus on high risk abdominally obese patientsBMJ 2001, 322:716-20
  • NCEP Report - Implications of Recent Clinical Trials for the National Cholesterol Education ProgramAdult Treatment Pannel der III Guidelines
  • European Guidelines on CVD prevention, Third Joint European Societies Tasks Force on CVD Prevention in Clinical Practice, European Heart Journal (2003)24, 1601-1610
  • Handbuch der Fettstoffwechselstörungen - Schwandt, Peter, Parhofer, Klaus (Hgg.) Schattauer-Verlag, 3.Aufl. 2007
  • Dr. Tobias Hartmann und Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad Beyreuther, Alzheimer: der unaufhaltsame Zerfall, Ruperto Carola 1/2001
  • Dipl. Met. Birgit Bott, Zu viel Cholesterin begünstigt Alzheimer, Pressemitteilung des idw vom 10.10.2005, http://idw-online.de/pages/de/news131053
  • Cordy, JM/Hooper, NM/Turner, AJ (2006): The involvement of lipid rafts in Alzheimer’s disease (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16611586)
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