Essstörungen – Tipps für Angehörige

Für Personen aus dem nahen Umfeld ist es sehr schwer, eine Essstörung mitzuerleben und zu ertragen.

Trauriges Mädchen mit Eltern © Thinkstock
Auch wenn Sie das Gefühl haben, nichts tun zu können und nur ohnmächtig zuzusehen: Lassen Sie nicht locker! Denn das Gespräch und die Konfrontation von außen können ein wichtiger und oft auch ein entscheidender Anstoß für die Betroffenen sein, ihre Erkrankung zu erkennen, zu verstehen und sich Hilfe zu holen. Ziehen Sie sich nicht zurück, sondern reden Sie mit dem Betroffenen, hören Sie zu und unterstützen Sie die Therapie.

So verhalten Sie sich richtig im Umgang mit einer Essstörung:

  • Je besser Sie sich über die Krankheit informiert haben, umso besser können Sie den Betroffenen verstehen. Wenden Sie sich gegebenenfalls an einen Arzt oder Therapeuten.
  • Bieten Sie der betroffenen Person – ohne sie zu bedrängen – immer wieder Ihre Hilfe an. Versuchen Sie möglichst offen zu zeigen, dass Sie großes Interesse an der Person haben und ihre Sicht der Dinge verstehen möchten. Manchmal kann dies die Annahme von Hilfe erleichtern.
  • Zeigen Sie dem Betroffenen, wie sehr sie ihn mögen oder lieben – unabhängig davon was er tut und was er isst.
  • Haben Sie viel Geduld und werden Sie gegenüber dem Betroffenen nicht zornig. Denn die Behandlung der Essstörung wird lange Zeit brauchen. Scheuen Sie sich nicht, in dieser schwierigen Situation jede zur Verfügung stehende Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
  • Schützen Sie den Betroffenen vor Angriffen anderer.
  • Zeigen Sie auf, was der Erkrankte gegen die Essstörung tun kann und unterstützen Sie ihn, wenn er etwas dagegen tun möchte.
  • Motivieren Sie den Erkrankten immer wieder und betonen Sie immer wieder, dass er selbst die Kraft hat, etwas gegen seine Krankheit zu tun.
  • Loben Sie auch den kleinsten Erfolg!
  • Seien Sie immer ehrlich und zeigen Sie Ihre Gefühle – ohne dabei Vorwürfe zu machen.
  • Behandeln Sie den Betroffenen ganz normal. Achten Sie seine Privatsphäre und versuchen Sie nicht, ihn von allen Alltagslasten fernzuhalten. Es könnte als Entmündigung verstanden werden.
  • Auch sollte der Betroffene die Konsequenzen seines Handelns selbst tragen. So sollte er beispielsweise nach einem Ess-Brech-Anfall zum Beispiel die fehlenden Vorräte ersetzen und Toilette oder Waschbecken selbst reinigen.
  • Machen Sie sich stets bewusst, dass der Betroffene sich nicht so verhält, um Sie zu ärgern, sondern weil er im Moment keine andere Konfliktlösungsstrategie hat.

Was Sie im Umgang mit einer Essstörung vermeiden sollten:

  • Zwingen Sie den Betroffenen nicht zu einem anderen Essverhalten und hinterfragen Sie nicht ständig, was er gegessen hat. Am besten beobachten Sie ihn auch nicht beim Essen.
  • Gehen Sie nicht auf das Körpergewicht oder das Aussehen des Betroffenen ein.
  • Fangen Sie keine generellen Diskussionen über das Essen, Figurprobleme und Kalorien an und versuchen Sie nicht mit Logik zu argumentieren.
  • Vermeiden Sie Sätze wie „Du hast aber schön zugenommen“, weil sich der Erkrankte wieder Vorwürfe machen könnte.
  • Geben Sie keine Vergleichsmöglichkeiten und vergleichen Sie zum Beispiel nicht mit alten Fotos, Zahlen und anderem.
  • Versuchen Sie nicht, die Rolle eines Therapeuten zu übernehmen. Sie sind nicht entsprechend ausgebildet.
  • Machen Sie sich selbst keine Vorwürfe und denken Sie trotz allem auch an sich!
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: BzgA: Essstörungen: Prävention
  • Arbeitsgemeinschaft Essstörungen AES: Wie erleben Betroffene ihre Krankheit
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