Epilepsie: Therapie mit Antikonvulsiva

In der Regel lässt sich Epilepsie mit Medikamenten gut behandeln. Eingesetzt werden sogenannte Antikonvulsiva. Etwa 60 bis 70 Prozent aller Epielepsiepatienten sind mithilfe von Antikonvulsiva anfallsfrei. Bei zirka 20 bis 30 Prozent bessern sich die Symptome deutlich. Nur etwa 15 Prozent der Betroffenen sprechen nicht oder kaum auf die Behandlung mit den Medikamenten an.

Wirkweise von Antikonvulsiva bei Epilepsie

Ziel einer Therapie mit Antikonvulsiva ist es, die Übererregbarkeit von Nervenzellen zu mindern oder Hemmmechanismen zu verstärken. Dies wird mit unterschiedlichen Antikonvulsiva auch auf unterschiedliche Weise erreicht. Einige der Medikamente hemmen die Natrium- oder Kalziumkanäle im Gehirn und vermindern so die Reizweiterleitung. Andere verhindern eine Reizweiterleitung, indem sie bestimmte Rezeptoren blockieren. Wieder andere Arzneimittel beeinflussen den Stoffwechsel einer Substanz im Gehirn – der Gamma-Aminobuttersäure (GABA). GABA ist als sogenanntes Transmitterprotein in Nervenzellen der wichtigste anfallshemmende Stoff im Gehirn.

Antikonvulsiva: richtige Anwendung

Antikonvulsiva können nichts an der Ursache der Epilepsie ändern. Sie sind nur Anfallsblocker. Deshalb müssen die Medikamente über einen sehr langen Zeitraum – häufig sogar ein Leben lang – eingenommen werden. Nur wenn der Betroffene über mehrere Jahre anfallsfrei war, kann er gemeinsam mit seinem Arzt überlegen, ob er die Medikamente absetzen kann. Dabei müssen die Risiken und die bestehenden Nebenwirkungen gut abgewogen werden. Das Absetzen der Antikonvulsiva erfolgt schrittweise und in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Antikonvulsiva müssen unbedingt regelmäßig eingenommen werden. Sehr wichtig ist auch, dass sich die Patienten an die Dosis halten, die ihnen vom Arzt verschrieben wurde, und sie nicht auf eigene Faust verändern. Denn sinkt der Spiegel des Medikaments im Blut zu stark ab, kann es zu erneuten Anfällen und sogar dem gefährlichen Status epilepticus kommen.

Mono- oder Kombinationstherapie?

Die Therapie mit antikonvulsiven Medikamenten wird meist als Monotherapie begonnen. Das heißt, ein einziges Medikament wird eingesetzt und die Dosis allmählich gesteigert. Nicht immer tritt jedoch schon beim ersten Versuch die gewünschte Wirkung ein. Eventuell kann eine weitere Anpassung der Dosierung zum Erfolg führen. Es ist jedoch auch möglich, dass das jeweilige Antikonvulsivum für den Patienten nicht geeignet ist, er es nicht verträgt oder zu starke Nebenwirkungen auftreten. Dann muss nach einem anderen gesucht werden.

Bei manchen Menschen mit Epilepsie ist es nicht möglich, durch eine Monotherapie – egal mit welchem Antikonvusivum – eine Besserung der Beschwerden zu erzielen. Dann werden meist zwei oder gar drei Präparate miteinander kombiniert. Dabei lassen sich jedoch die Nebenwirkungen der einzelnen Arzneimittel schlechter beurteilen. Deshalb müssen die Vor- und Nachteile einer Kombinationstherapie immer genau abgewogen werden. Das Ziel ist es: Anfallsfreiheit zu erreichen, dabei aber so wenige Nebenwirkungen wie möglich auszulösen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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