Therapie bei Epilepsie: ketogene Diät

Bei Kindern – in seltenen Fällen auch bei Erwachsenen – kann die ketogene Diät eingesetzt werden, um Epilepsie zu behandeln. Wie bei vielen anderen chronischen Erkrankungen hat die Ernährung auch einen Einfluss auf Epilepsie.

Die ketogene Diät ist jedoch keine – wie sonst meist empfohlene – gesunde und abwechslungsreiche Kost. Sie ist vielmehr eine Spezialdiät, die nur unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden darf. Bei der ketogenen Diät wird dem Körper sehr viel Fett zugeführt. Dadurch verändert sich der Stoffwechsel, Fett löst die Kohlenhydrate als Hauptenergielieferant ab. Bei der Verbrennung von Fett entstehen sogenannte Ketonkörper. Diese bewirken, dass epileptische Anfälle seltener werden und in ihrer Intensität nachlassen.

Wann und ob überhaupt eine Besserung durch die ketogene Diät eintritt, ist von Betroffenem zu Betroffenem unterschiedlich. Manche sprechen schon nach kurzer Zeit auf die Diät an, bei anderen dauert es bis zu einem halben Jahr, bis die Anfälle nachlassen. Bei manchen Patienten wirkt die ketogene Diät gar nicht. Führt die Ernährungsumstellung jedoch zu einer Besserung, wird sie meist für mindestens zwei Jahre beibehalten. Manche Patienten bleiben auch dann anfallsfrei, wenn sie wieder normal essen – das gilt jedoch nicht für alle.

Ketogene Diät: nur unter ärztlicher Kontrolle

Die ketogene Diät darf nur unter Anleitung eines erfahrenen Neurologen durchgeführt werden. Denn sie ist keine gesunde Ernährung und macht die zusätzliche Gabe von Vitaminpräparaten notwendig. Am besten ist es, wenn die Diät in einer darauf spezialisierten Klinik begonnen wird. Verträgt der Patient sie gut, kann er sie zu Hause fortführen. Dabei muss er sich an einen festen Ernährungsplan halten. Das verlangt gerade von Kindern ein gehöriges Maß an Disziplin. Denn schon kleine Abweichungen vom Plan können die Ketose – also den anfallshemmenden Stoffwechselzustand – unterbrechen und den Therapieerfolg verringern.

Wichtig ist die ärztliche Kontrolle bei der ketogenen Diät auch deswegen, weil die Medikamente auf die neue Ernährung angepasst werden müssen. Denn: Mit dem Stoffwechsel verändert sich auch die Konzentration der Mittel im Blut. Manche Antikonvulsiva müssen deshalb schon vor Beginn der Ernährungsumstellung abgesetzt oder die Dosis nach und nach angepasst werden.

Nebenwirkungen der ketogenen Diät

Auch wenn die Diät von einem Arzt überwacht und sorgfältig durchgeführt wird, können zum Teil erhebliche Nebenwirkungen auftreten. Der Betroffene kann beispielsweise an Gewicht verlieren und Magen-Darm-Beschwerden oder Nierensteine entwickeln. Das kann so weit gehen, dass er wegen einer Übersäuerung seines Bluts ins Koma fällt. Zum Teil ist auch die Sehfähigkeit eingeschränkt. Das lässt sich jedoch meist durch Multivitaminpräparate verhindern.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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