Epilepsie: symptomatisch ähnliche Krankheiten

Auch bei anderen Erkrankungen als der Epilepsie können Anfälle auftreten, die epileptischen Anfällen ähneln. Um Epilepsie sicher diagnostizieren zu können, ist deshalb eine Differenzialdiagnostik nötig, bei der andere Grunderkrankungen ausgeschlossen werden.

Gesicherte Diagnose
Nur die Gesamtheit aller Beschwerden und Symptome, unter denen ein Patient leidet, gibt letztendlich Aufschluss darüber, welche Erkrankung tatsächlich vorliegt. Krankheiten, die bei der Diagnostik aufgrund sehr ähnlicher oder nahezu identischer Symptomkomplexe ebenfalls infrage kommen, werden als Differenzialdiagnosen bezeichnet. Der Arzt schließt diese mittels der sogenannten Differenzialdiagnostik als Ursache aus, bevor er mit der Therapie beginnt.

Differenzialdiagnose: Migräne

Migräne unterscheidet sich in den meisten Fällen recht deutlich von Epilepsie. Typischerweise treten bei Migräne pochende Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie eine hohe Licht- und Geräuschempfindlichkeit auf. Die Aura (das Sehen von Lichtblitzen, Flimmern oder Linien), die bei einigen Menschen mit Migräne dem Anfall vorausgeht, fällt meist länger aus als die bei Epileptikern.

Differenzialdiagnose: transitorisch-ischämische Attacke (TIA)

Auch die transitorisch-ischämische-Attacke (TIA) kann eine Differenzialdiagnose bei Epilepsie sein. Ihre Symptome gleichen jedoch eher denen eines Schlaganfalls: Sehstörungen, schleppende Sprache, Taubheitsgefühle um den Mund und Schluckstörungen treten auf. Diese Beschwerden bilden sich bei einer TIA wieder vollständig zurück.

Differenzialdiagnose: Synkopen

Bei Synkopen verlieren die Betroffenen anfallartig das Bewusstsein, die Muskelspannung setzt aus. Diese Anfälle dauern nur einige Sekunden und haben mit Epilepsie nichts zu tun. Die Ursache ist eine vorübergehend verminderte Durchblutung des Gehirns.

Differenzialdiagnose: Narkolepsie

Die Narkolepsie ist eine Schlafstörung. Die Betroffenen schlafen auch tagsüber plötzlich ein – sogar während einer Tätigkeit. Sie sind während der Einschlaf- und Aufwachphase wie gelähmt und können sich nicht bewegen. Auch Wachträume können bei Narkolepsie vorkommen – sogenannte hypnagoge Halluzinationen. Die Betroffenen träumen dann in wachem Zustand, können sich aber nicht rühren. Zudem treten bei Narkoleptikern Kataplexien auf. Das bedeutet, die Muskelspannung lässt plötzlich stark nach, der Patient knickt in den Knien ein oder stürzt, bleibt aber bei vollem Bewusstsein.

All diese Symptome ähneln denen einer Epilepsie, weswegen Narkolepsie mithilfe einer Differenzialdiagnostik ausgeschlossen werden muss. Narkolepsie wird vermutlich durch eine ungenügend ausgereifte Schlaf-Wach-Regulation im Gehirn ausgelöst. Auch Hirnerkrankungen und -verletzungen stehen in Verdacht, Narkolepsie zu verursachen.

Differenzialdiagnose: Fieberkrampf bei Kindern

Fieberkrämpfe kommen hauptsächlich bei Kindern zwischen einem halben und fünf Jahren vor. Die Kinder sind meist völlig gesund. Ihr Gehirn löst bei Fieber, das schnell ansteigt, einen Krampfanfall aus. Zum Teil steigt das Fieber so schnell, dass die Eltern vor dem Anfall gar nicht wussten, dass das Kind fiebert. Ursache für das Fieber ist meist ein Virusinfekt, Fieberkrämpfe können jedoch auch im Zusammenhang mit Masern, Mumps und Röteln auftreten. Zudem scheint es eine genetische Veranlagung für Fieberkrämpfe zu geben.

Bei einem Fieberkrampf verdreht das betroffene Kind die Augen oder bekommt einen starren Blick. Es reagiert nicht mehr und hält den Atem an. Manche Kinder verlieren kurz das Bewusstsein. Arme, Beine und Gesichtsmuskeln können bei einem Fieberkrampf zucken, müssen aber nicht. Nach wenigen Minuten lässt der Anfall nach, das Kind kommt wieder zu Bewusstsein. Dennoch sollte sofort ein Arzt verständigt werden. Zudem empfiehlt es sich, das Kind auf den Boden zu legen, damit es sich nicht verletzt, seine Kleidung zu lockern und sich zu merken, wie lange der Krampf gedauert hat.

Differenzialdiagnose: Affektkrampf bei Kindern

Ein Affektkrampf wird durch Wut ausgelöst und deshalb auch als „Wutkrampf“ oder medizinisch als respiratorischer Affektkrampf bezeichnet. Ein solcher Krampf kann Eltern verängstigen, ist jedoch harmlos. Aus Wut oder auch wegen eines plötzlichen Schmerzes schreit das Kind kurz auf. Die Stimmritze im Hals verschließt sich und die Atmung setzt aus. Durch die kurzzeitig verminderte Sauerstoffversorgung verfärbt sich die Haut des Kindes bläulich und es wird bewusstlos. Während der Bewusstlosigkeit lässt der Krampf nach und das Kind beginnt wieder zu atmen. Obwohl Affektkrämpfe harmlos sind, sollte dennoch ein Arzt konsultiert werden, um andere Ursachen für den Anfall auszuschließen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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