Ratgeber: Erste Hilfe bei epileptischen Anfällen

Grundsätzlich gilt: Wenn jemand zum ersten Mal einen Anfall erleidet, oder Sie bei einem Menschen einen Anfall beobachten, von dem Sie nicht wissen, ob er Epilepsie hat, sollten sie unbedingt einen Notarzt rufen.

Erste Hilfe © Thinkstock
Das gilt auch, wenn das Geschehen nur wenige Sekunden gedauert hat. Denn gerade beim allerersten Anfall ist es sehr wichtig, abzuklären, ob es sich um Epilepsie, eine andere Erkrankung oder einen Gelegenheitsanfall handelt.

Bei Menschen, die bekanntermaßen unter Epilepsie leiden, ist es nicht unbedingt nötig, einen Arzt zu alarmieren. Nur wenn der epileptische Anfall länger als einige Minuten dauert oder ein weiterer direkt auf den ersten folgt, muss auch dann dringend ein Notruf abgesetzt werden.

Ansonsten gelten vor allem zwei Grundregeln bei der Ersten Hilfe: Versuchen Sie zum einen, nicht in Panik zu geraten, ruhig zu bleiben und besonnen zu handeln. Das ist nicht immer leicht – besonders wenn Kinder einen epileptischen Anfall erleiden. Vor allem die Eltern möchten ihr Kind dann gerne in den Arm nehmen und festhalten. Diesem Impuls sollten Sie jedoch nicht nachgeben, denn es erhöht die Verletzungsgefahr. Zum anderen ist es bei der Ersten Hilfe wichtig, den Betroffenen so gut wie möglich vor Verletzungen zu schützen.

Mit folgenden Erste-Hilfe-Regeln helfen Sie bei einem epileptischen Anfall am meisten:

  • Haben Sie die Möglichkeit, einen bewusstlos werdenden Betroffenen, der stürzt, aufzufangen, dann packen Sie beherzt zu. Lagern Sie ihn vorsichtig auf den Boden.
  • Schauen Sie auf die Uhr: Meist dauert ein epileptischer Anfall nur ein bis zwei Minuten. Hört der Anfall nach fünf Minuten nicht auf, sollten Sie einen Notarzt verständigen.
  • Sollte der Patient um sich schlagen, versuchen Sie nicht, ihn festzuhalten. Das erhöht das Verletzungsrisiko.
  • Räumen Sie alles beiseite, woran sich der Epileptiker verletzen könnte.
  • Schieben Sie dem Betroffenen etwas Weiches unter den Kopf: wenn vorhanden, ein Kissen – ansonsten ein Kleidungsstück oder eine Decke.
  • Auch wenn es gut gemeint ist: Schieben Sie dem Patienten keinen Gegenstand zwischen die Zähne, um zu verhindern, dass er sich auf die Zunge beißt. Meist richten Sie damit mehr Schaden an als Sie verhindern.
  • Manchmal kommt es an einem öffentlichen Ort zu einem epileptischen Anfall und der Betroffene soll in Sicherheit gebracht werden. Ziehen Sie ihn dann nicht an den Händen, Sie könnten dabei die Schultergelenke ausrenken. Umfassen Sie den Oberkörper und ziehen Sie den Betroffenen so aus der Gefahrenzone.
  • Auch wenn es schwer fällt – bei der Ersten Hilfe bei Epilepsie gilt: Weniger ist mehr.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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