Ratgeber und Selbsthilfe: Epilepsie und Sex

Hartnäckig halten sich die Gerüchte, Sex könne das Anfallsrisiko bei Epilepsie erhöhen oder die epileptischen Anfälle verschlimmern. Dafür gibt es jedoch keinen Beleg. Vielmehr kann Sex das Wohlbefinden und die seelische Ausgeglichenheit steigern und sich damit positiv auf Krankheiten auswirken.

Dennoch sind viele Betroffene unsicher, ob Sex gut für sie ist. Sie ziehen sich zurück, sind schüchtern und ängstlich. Das hängt meist viel mehr mit der Einstellung zur Epilepsie zusammen, als mit der Krankheit selbst. Die Erfahrung – teilweise schon lange zurückliegender epileptischer Anfälle – beeinflusst das Körperbild: Die Betroffenen fühlen sich in ihrer Weiblichkeit beziehungsweise Männlichkeit eingeschränkt. Aus Scham sprechen sie nicht über ihre Krankheit und ziehen sich immer weiter zurück. Dieser Rückzug verhindert positive Erlebnisse mit Sex, was sich wiederum negativ auf das Selbstvertrauen auswirkt. Ein Teufelskreis entsteht. Wichtig ist es, durch Offenheit und Vertrauen in einer Partnerschaft aus diesem Teufelskreis auszubrechen – eventuell auch mithilfe eines Psychologen oder Psychotherapeuten.

Empfängnisverhütung bei Epilepsie

Frauen mit Epilepsie werden im Durchschnitt häufiger ungewollt schwanger und lassen einen Schwangerschaftsabbruch durchführen als gesunde Frauen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Antikonvulsiva mit Kontrazeptiva – also der Antibabypille – in Wechselwirkung treten und sie in ihrer Wirksamkeit einschränken. Das passiert so: Die Epilepsiemedikamente verändern die Wirkung der Geschlechtshormone, die in der Pille enthalten sind. Dadurch ist der Empfängnisschutz nicht mehr ausreichend gewährleistet. Besonders häufig ist das bei modernen Antibabypillen mit einer niedrigen Hormondosierung der Fall. Der Gynäkologe kann Epileptikerinnen dabei helfen, die richtige Pille auszuwählen.

Noch sicherer ist jedoch die Anwendung einer mechanischen Verhütungsmethode wie eines Diaphragmas oder eines Kondoms. Auch bei der Basaltemperaturmessung sind  keine Wechselwirkungen zu erwarten – diese Verhütungsmethode muss jedoch richtig angewendet werden, was eine genaue Kenntnis des eigenen Zyklus voraussetzt. Die Fehlerquote liegt deshalb recht hoch.

Epilepsie: Keine Lust mehr auf Sex?

Wenn die Lust auf Sex nachlässt, kann das viele Gründe haben – auch bei Epilepsiepatienten. Die Krankheit selbst – oder die Grunderkrankung, die die Epilepsie verursacht – können beispielsweise einen Mangel an Libido auslösen. Auch Antikonvulsiva, also die Medikamente die bei epileptischen Anfällen eingesetzt werden, können eine dämpfende Wirkung auf die Lust haben. Ansonsten stecken bei Epileptikern hinter nachlassender Lust auf Sex und Potenzproblemen meist die gleichen Gründe wie bei gesunden Menschen auch: Überlastung und Stress oder Probleme in der Partnerschaft sind die häufigsten Auslöser.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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