Ratgeber und Selbsthilfe: Alltag mit Epilepsie

Für Menschen, die ständig mit einem epileptischen Anfall rechnen müssen, ist der Alltag nicht immer leicht. Doch die meisten Alltagsbeschäftigungen sind auch mit Epilepsie problemlos möglich.

Richtige Berufswahl ist für sicheren Alltag entscheidend

Statistiken zeigen: Menschen mit Epilepsie sind nicht häufiger krankgeschrieben als der Durchschnitt der Bevölkerung. Denn viele Epileptiker sind dank ihrer Medikamente anfallsfrei oder erleiden nur sehr selten einen epileptischen Anfall. Hinzu kommt: Langfristig ist die Medikation bei Betroffenen meist gut eingestellt, sodass sich Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen in Grenzen halten. Epilepsiepatienten sind deshalb in ihrer Leistungsfähigkeit im Alltag kaum eingeschränkt.

Dennoch ist es wichtig, bei der Berufswahl einige Punkte zu beachten: Arbeitsplätze, bei denen ein Epileptiker sich oder andere während eines epileptischen Anfalls gefährden könnte, sind für ihn nicht geeignet. Der behandelnde Neurologe oder ein Berufsberater kann über geeignete Berufsbilder informieren.

Sport mit Epilepsie: keine gefährlichen Sportarten wählen

Die meisten Sportarten sind auch für Epilepsiepatienten unbedenklich. Es gibt jedoch einige Ausnahmen: Disziplinen wie Bergsteigen, Drachenfliegen, Motorsport oder Tauchen bergen ohnehin ein gewisses Risiko. Bei solchen Sportarten ist es deshalb wahrscheinlicher, dass Epileptiker sich oder andere in Gefahr bringen. Zudem sind die Konsequenzen eines Unfalls infolge eines epileptischen Anfalls gravierender als beispielsweise beim Joggen oder Tennisspielen.

Schwimmen ist ein Sport, den Epilepsiepatienten nur mit Einschränkungen ausüben können. Sie sollten nur in Begleitung – am besten mit einem ausgebildeten Rettungsschwimmer – Schwimmen gehen. Denn bei einem epileptischen Anfall gelangt schnell Wasser in die Lunge und führt zum Ertrinken. Aus diesem Grund empfiehlt es sich für Epileptiker übrigens auch, im Alltag nur zu duschen und nicht zu baden.

Autofahren bei Epilepsie oft nicht möglich

Meist können Epilepsiepatienten nicht Auto fahren. Die Gefahr, sich oder andere während eines epileptischen Anfalls schwer zu verletzen, ist dabei zu hoch. Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen dürfen Betroffene ein Fahrzeug lenken. Dazu ist eine vorherige Begutachtung nötig, die die Fahrtauglichkeit bestätigt. Entscheidend sind die Form der Epilepsie und die Dauer der Anfallsfreiheit. Genauere Informationen sind in den „Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrereignung“ der Bundesanstalt für Straßenwesen zu finden.

Epilepsie und Alkohol: keine gute Kombination im Alltag

Alkohol stand lange Zeit in Verdacht, bei Epileptikern Anfälle zu provozieren. Ob dies wirklich der Fall ist, ist noch nicht eindeutig geklärt. Dennoch gibt es gute Gründe für Epilepsiepatienten, auf Alkohol zu verzichten oder ihn nur in Maßen zu genießen.

Alkohol beeinträchtigt beispielsweise den Schlaf. Auch wenn er zunächst müde macht, schläft man unter Alkoholeinfluss schlechter. Und für Schlafmangel ist nachgewiesen, dass er das Anfallsrisiko erhöht. Zudem kann Alkohol die Nebenwirkungen von Antikonvulsiva verstärken. Er scheint zwar den Spiegel des Medikaments im Blut nicht zu verändern, aber einen Einfluss auf Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Gleichgewichtsstörungen zu haben. Umgekehrt haben auch Medikamente, die die Aktivität des Gehirns verändern, einen Einfluss auf die Wirkung des Alkohols. Schon kleine Mengen können zu einem Rausch führen. Dann passiert es schnell, dass der Patient die benötigten Medikamente vergisst. Bei Epilepsie ist es jedoch sehr wichtig, die Arzneimittel regelmäßig einzunehmen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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