Formen der Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen

Ob fokale oder generalisierte Anfälle: Die meisten Formen der Epilepsie können in jedem Alter vorkommen – auch bei Kindern. Es gibt jedoch bestimmte Epilepsieformen, die nur in Kindheit und Jugend auftreten.

West-Syndrom

Das West-Syndrom ist eine seltene Epilepsie im Kleinkindalter. Die Erkrankung ist geprägt von einem typischen Bewegungsmuster, den Blitz-Nick-Salaam-Krämpfen. Dabei kommt es innerhalb weniger Sekunden zu heftigen Zuckungen der Muskulatur, die wie ein Blitz durch den Körper fahren. Zusätzlich nicken die betroffenen Kinder rasch mit dem Kopf und beugen den Rumpf nach vorne.

Die Anfälle treten bei dieser Form der Epilepsie meist in Serien auf (bis zu 30 Anfälle am Stück). Am häufigsten sind die epileptischen Anfälle morgens nach dem Aufwachen zu beobachten. Das West-Syndrom kann schon in einem Alter von zwei bis acht Monaten beginnen und trifft vor allem Jungen. Es ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, bei der die Prognose meist schlecht ist. Die Epilepsieform lässt sich im Elektroenzephalogramm (EEG) erkennen, das ein typisches Muster zeigt.

Lennox-Gastaut-Syndrom

Als Ursache für das Lennox-Gastaut-Syndrom kommen ein genetischer Defekt oder ein Hirnschaden im frühen Kindesalter in Frage. Die Folge davon sind verschiedene Symptome wie Sturzanfälle, tonische Anfälle, die meist nachts auftreten, und atypische Absencen. Häufig beginnt diese Form der Epilepsie zwischen dem zweiten und siebten Lebensjahr. Die Prognose ist meist nicht gut: Die Erkrankung ist schwer zu behandeln, die Kinder bauen geistig ab und leiden unter psychischen Störungen und neurologischen Ausfällen. Das Lennox-Gastaut-Syndrom gehört zu den schwersten Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen.

Rolando-Epilepsie

Die Rolando-Epilepsie gehört zu den idiopathischen fokalen Epilepsien. Sie beginnt meist zwischen dem vierten und 14. Lebensjahr und endet oft während der Pubertät von alleine wieder. Die epileptischen Anfälle treten vermehrt nachts auf. Das betroffene Kind ist dann wach, kann nicht sprechen, stößt aber kehlige, gurgelnde Laute aus und hat einen starken Speichelfluss. Es folgen Verspannungen der Kau- und Gesichtsmuskulatur. Zudem treten Verhaltensauffälligkeiten und Wahrnehmungsstörungen auf.

Die Prognose für Kinder mit Rolando-Epilepsie ist in der Regel gut, die Anfälle treten nur sehr vereinzelt auf. Ein EEG zeigt charakteristische Veränderungen.

Juvenile myoklonische Epilepsie (Janz-Epilepsie)

Gesunde Jugendliche zwischen dem zwölften und 18. Lebensjahr können eine juvenile myoklonische Epilepsie – auch Janz-Epilepsie genannt – entwickeln. Es treten Zuckungen von Armen und Beinen, Absencen oder andere generalisierte Anfälle auf. Meist sind sie jedoch kurz, die Betroffenen bleiben bei Bewusstsein. Mit einer lebenslangen medikamentösen Therapie ist diese Form der Epilepsie gut zu behandeln.

Aufwach-Grand-Mal-Epilepsie

Bei der Aufwach-Grand-Mal-Epilepsie spielt die Vererbung eine Rolle. Sie tritt bei sonst gesunden Jugendlichen zwischen zehn und 20 Jahren auf. Zu Anfällen kommt es vor allem nach dem Aufwachen. Sie laufen ab wie tonisch-klonische Anfälle: Die Betroffenen verlieren plötzlich das Bewusstsein und stürzen zu Boden. Häufig stoßen sie dabei einen Schrei aus. Danach versteift sich der ganze Körper für zehn bis 30 Sekunden. Auf die Versteifung folgen rhythmische Zuckungen vor allem von Kopf, Armen und Beinen, die etwa eine halbe bis eine Minute andauern.

Zu Beginn des Anfalls setzt die Atmung vollständig aus, um dann schwer und tief wieder einzusetzen. Speichel tritt aus dem Mund aus. Er kann mit Blut vermischt sein, wenn sich der Betroffene auf die Zunge gebissen hat. Nach dem Anfall sinkt der Patient – oft übergangslos – in einen tiefen Nachschlaf, der nur kurz aber auch mehrere Stunden dauern kann. Nach dem Aufwachen ist er häufig verwirrt und unruhig.

Mit Medikamenten können Aufwach-Grand-Mal-Epilepsien gut behandelt werden. Anfälle bleiben dann oft vollständig aus. Nach mindestens fünf Jahren ohne Anfall kann unter ärztlicher Beobachtung versucht werden, die Medikamente abzusetzen. Nicht selten kommt es dann jedoch zu Rückfällen. Stress, zu wenig Schlaf und Alkohol begünstigen Anfälle.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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