Formen der Epilepsie: fokale Anfälle

Eine bestimmte Form der Epilepsie – die fokalen Anfälle – gehen jeweils von einem Areal des Gehirns aus. Je nachdem, welcher Gehirnbereich betroffen ist, unterscheiden sich die Symptome. Zudem unterscheidet man zwischen einfach fokalen Anfällen und komplex fokalen Anfällen.

Einfach fokale Anfälle

Bei einfach fokalen Anfällen ist der Betroffene meist wach und bei klarem Bewusstsein. Er kann anschließend beschreiben, wie er den epileptischen Anfall empfunden hat. An der Erscheinungsform des Anfalls kann abgelesen werden, in welchem Bereich des Gehirns er begonnen hat.

Sind die rechten Gliedmaßen des Patienten von Zuckungen und Krämpfen betroffen, liegt der Ursprung des Anfalls wahrscheinlich in der linken Gehirnhälfte – und umgekehrt. Ein einfach fokaler Anfall kann jedoch auch mit optischen Eindrücken beginnen: Die Betroffenen sehen Lichtblitze, Farben oder ganze Bilder. Der Ursprung des Anfalls liegt dann wahrscheinlich in der Sehrinde. Daneben ist es auch möglich, dass bei einem einfach fokalen Anfall Melodien oder Stimmen gehört werden.

Auch Schwindel, der ähnlich einer schnellen Bewegung im Raum oder einer Fahrt im Karussell wahrgenommen wird, kommt bei dieser Form der Epilepsie häufig vor. Manche Betroffene berichten nach einem Anfall von einem Déja-vu-Erlebnis. Sie haben das Gefühl, etwas schon einmal erlebt zu haben.

Auch körperliche Symptome können während eines einfach fokalen Anfalls auftreten. Beispiele sind ein Druck im Bauchraum oder Herzklopfen. Oft ist es jedoch schwer für den Patienten, seine Erlebnisse während des Anfalls zu beschreiben.

Alle Wahrnehmungsstörungen zusammen werden mit dem Begriff „Aura“ beschrieben. Das ist griechisch und bedeutet „Windhauch“ oder „Windstoß“. Experten sind sich uneinig darüber, ob die Aura einem Anfall mit Bewusstseinsverlust vorausgeht oder ob die Aura selbst bereits ein epileptischer Anfall ist.

Komplex fokale Anfälle

Komplex fokale Anfälle beginnen nicht selten wie einfach fokale Anfälle. Hinzu kommen jedoch Bewusstseinstrübungen – von leichter Benommenheit bis hin zu Bewusstlosigkeit. Typischerweise werden komplex fokale Anfälle von sogenannten Automatismen bestimmt: Patienten wiederholen bestimmte Bewegungen wie Kauen, Schmatzen oder Schlucken oder Handlungen wie das Aus- und Ankleiden. Manche Betroffene weisen auch verbale Automatismen auf. Sie wiederholen bestimmte Worte oder Satzteile, die jedoch meist unverständlich sind.

Nach einem komplex fokalen Anfall treten in den meisten Fällen Erinnerungslücken auf. Zudem ist es schwierig zu bestimmen, wann ein solcher Anfall zu Ende ist. In den meisten Fällen ebben die Symptome nach einigen Minuten (selten mehr als 15) einfach ab. Manchmal kommt es jedoch dazu, dass ein komplex fokaler Anfall in einen generalisierten tonisch-klonischen Anfall übergeht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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