Diagnostik bei Epilepsie: Die Elektroenzephalografie (EEG)

Wer einmal einen epileptischen Anfall hatte, hat noch keine Epilepsie. Um einen einzelnen Anfall von einer Epilepsie unterscheiden zu können, ist vor allem eine Untersuchung bedeutend: die Elektroenzephalografie, bei der ein Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet wird.

Bei der völlig schmerzfreien und ungefährlichen Elektroenzephalografie wird die elektrische Aktivität der Nervenzellen der Gehirnoberfläche gemessen. Dazu werden Elektroden auf der Kopfhaut angebracht, die diese Aktivität durch die Schädeldecke hindurch registrieren und in Wellen aufzeichnen. Die Untersuchung dauert etwa 20 Minuten und wird anschließend von einem Spezialisten ausgewertet.

Diagnose auch ohne Anfall

Auch wenn der Betroffene gerade keinen Anfall hat, kann eine Epilepsie häufig mithilfe einer Elektroenzephalografie diagnostiziert werden. Neben den normalen Potenzialen weist das EEG eines Epilepsiepatienten auch epilepsietypische Potenziale auf. Diese können sehr unterschiedlich aussehen: Oft treten spitze und scharfe Wellen auf, die in der Fachsprache „Spike-Waves“ und „Sharp-Waves“ genannt werden. Auch „Sharp-Slow-Waves“, bei denen auf eine scharfe Welle eine langsame folgt, kommen bei Epileptikern vor. All diese epilepsietypischen Potenziale weisen auf eine veränderte Gehirnaktivität hin. Sie sind jedoch – gerade bei Kindern und Jugendlichen – kein eindeutiger Beweis für eine Epilepsie. Auch umgekehrt bedeutet das Fehlen solcher Potenziale nicht, dass eine Epilepsie ausgeschlossen werden kann.

Neben der normalen Elektroenzephalografie kann es auch sinnvoll sein, ein Kurzzeit-Schlaf-EEG aufzuzeichnen. Denn nur so können epilepsietypische Potenziale erkannt werden, die nur im Schlaf auftreten. Eine weitere Möglichkeit ist das Langzeit-EEG, bei dem die Hirnströme über einen Zeitraum von 24 Stunden gemessen werden.

Wird der Patient während der Elektroenzephalografie zusätzlich gefilmt, ist häufig eine noch genauere Diagnose möglich. Denn auch für Epilepsie typische Bewegungen und Muskelzuckungen sowie Bewusstseinsveränderungen sind dann erkennbar und können mit dem EEG abgeglichen werden.

Hirnstromveränderungen gezielt herbeiführen

Mitunter kommt es vor, dass zwischen den Anfällen keine Veränderungen der Hirnströme im EEG festgestellt werden können, der Arzt aber dennoch von einer Epilepsie ausgeht. Der Mediziner wird dann versuchen, Hirnstromveränderungen gezielt zu provozieren, um eine Diagnose stellen zu können: Dies ist beispielsweise mit Hyperventilieren möglich. Der Arzt bittet den Patienten während einer Elektroenzephalografie tief und sehr rasch zu atmen – zu hyperventilieren. Auch bei gesunden Menschen treten dann vermehrt bestimmte Potenziale auf – sogenannte Deltawellen. Sie verschwinden jedoch schon nach wenigen Sekunden, in denen wieder normal geatmet wird. Bei Epilepsiepatienten werden durch das Hyperventilieren jedoch zusätzlich epilepsietypische Zacken oder Unterschiede zwischen den beiden Gehirnhälften messbar.

Eine weitere Möglichkeit, Hirnstromveränderungen gezielt herbeizuführen, sind Lichtreize (Fotostimulation). Während der Elektroenzephalografie wird der Betroffene immer schneller flackerndem Licht ausgesetzt. Bei Gesunden werden dadurch bestimmte Potenziale verstärkt. Bei Epileptikern kann das Flackerlicht jedoch epilepsietypische Veränderungen im EEG auslösen.

Zu guter Letzt kann auch Schlafentzug typische Veränderungen der Hirnströme in einem EEG deutlicher sichtbar machen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.03.2018
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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