Epilepsie: Funktionsstörung im Gehirn

Die Epilepsie wurde im Laufe der Geschichte mit Besessenheit, Dämonen und Geisteskrankheit, aber auch mit Genialität oder besonderen Geistesgaben in Verbindung gebracht. Zudem hielt sich lange die Vorstellung, dass bei jedem Anfall Gehirnzellen zugrunde gingen.

Gehirn und Neuronen © Thinkstock/vitapublic
Auch wenn die Ursachen noch immer nicht vollständig geklärt sind: Heute ist klar, all diese Vorstellungen treffen nicht zu. Epilepsie ist eine organische Erkrankung. Sie tritt aufgrund einer Funktionsstörung im Gehirn auf, bei der Nervenzellen unkontrolliert Impulse abgeben.

In Deutschland leben zwischen 400.000 und 800.000 Menschen mit Epilepsie. Die meisten von ihnen führen dank einer modernen Therapie ein ganz normales Leben. Oft verhilft eine medikamentöse Behandlung den Betroffenen sogar dazu, dass sie völlig anfallsfrei sind.

Epilepsie diagnostizieren

Da eine Epilepsie in vielen verschiedenen Formen auftreten und viele verschiedene Symptome auslösen kann, ist die Diagnosestellung nicht immer leicht. Man geht meist davon aus, dass eine Epilepsie vorliegt, wenn mindestens ein epileptischer Anfall aufgetreten ist und die anschließende Diagnostik Auffälligkeiten aufweist. Besonders aussagekräftig bei der Diagnosestellung der Epilepsie ist die Elektroenzephalografie (EEG).

Wer kann Epilepsie bekommen?

Epilepsie kann im Prinzip bei jedem Menschen und in jedem Alter auftreten. Bestimmte Epilepsieformen lassen sich jedoch bestimmen Altersgruppen zuordnen. Es gibt beispielsweise das West-Syndrom, das im Kleinkindalter beginnt, oder die juvenile myoklonische Epilepsie, die bei Jugendlichen zwischen zehn und 20 Jahren vorkommt.

Gerade bei Kindern kann es passieren, dass die Epilepsie mit der Pubertät von alleine wieder verschwindet. Auch Erwachsene werden in seltenen Fällen ohne Behandlung anfallsfrei. Das sind jedoch die Ausnahmefälle. In der Regel muss Epilepsie behandelt werden. Denn ohne Therapie können sich sowohl die Anfallshäufigkeit als auch die Anfallshelftigkeit erhöhen. Dies wiederum kann zu einem gefährlichen Status epilepticus führen, bei dem ein Anfall in den nächsten übergeht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Erster Epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008)
  • Epilepsie-Netz (www.epilepsie-netz.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (www.izepilepsie.de/home/index,id,563.html)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neruologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2017/PDFs_Download/030041_LL_Erster-epileptischer-Anfall_2017.pdf)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Status epilepticus im Ersachsenenalter (https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/ll_02_2012_status_epilepticus_im_erwachsenenalter.pdf)
  • Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Epileptologie – Epilepsiezentrum: Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen (https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/sektion-fuer-epilepsiediagnostik-im-kindes-und-jugendalter/epilepsie-bei-kindern.html)
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