Durchfall durch Norovirus und Rotavirus: Gipfel der Darmgrippe im Winter

Das Norovirus, auch Norwalk-Virus genannt, ist ein tückischer Keim. Er ist vor allem in den Wintermonaten Ursache für regelrechte Wellen von Brech-Durchfall-Erkrankungen. Kinder unter fünf Jahren und ältere Menschen sind von Infektionen durch das Norovirus besonders oft betroffen. Und gerade ihnen macht Durchfall besonders zu schaffen. Immer wieder müssen Schulen, Krankenstationen und Altenheime wegen Infektionen mit dem Norovirus geschlossen werden.

Das Norovirus ist hoch ansteckend

Das Norovirus kommt nur beim Menschen vor. Das Magen-Darm-Virus ist hoch ansteckend und findet sich massenhaft im Stuhl und dem Erbrochenen. Die winzigen Keime heften sich an Staubteilchen in der Luft und lagern sich auf allen Oberflächen ab. Das Norovirus kann so also auch über Handkontakt weitergegeben werden. Des Weiteren sind verunreinigte Speisen und Getränke Infektionsquellen.

Durchfall durch Norovirus: kurz, aber heftig

Manchmal reichen schon einige Keime des Norovirus aus, um sich anzustecken. Dann dauert es nur noch wenige Stunden bis maximal drei Tage, bis schwallartiges Erbrechen, Übelkeit und Durchfall (Diarrhoe) einsetzen. Fieber tritt bei Infektionen durch das Norovirus nur selten auf. Nach 24 bis 48 Stunden ist bei richtiger Therapie der Infekt meist überstanden. Halten die Beschwerden wie Durchfall länger an, muss ein Arzt konsultiert werden. Manchmal bleibt die Infektion mit dem Norovirus fast unbemerkt, aber auch dann werden – wie von allen Erkrankten – noch bis zu zwei Wochen später Viren über den Stuhl ausgeschieden.

Wie die Keime des Norovirus übertragen werden

Wegen der hohen Ansteckungsgefahr halten sich hartnäckig Gerüchte von tagelang durch die Luft schwebenden Virusteilchen – eine Vorstellung, die so nicht ganz stimmt. Richtig ist, dass Virenpartikel massenhaft mit Erbrochenem und wässrigem Durchfall ausgeschieden werden. Sie heften sich etwa an Staubteilchen in der Luft und lagern sich auf allen Oberflächen ab.

Berührt ein Gesunder eine Türklinke oder einen Nachtschrank, an dem das Norovirus haftet, bleiben die winzigen Erreger an der Handfläche zurück. Werden die Hände nicht desinfiziert oder gründlich gewaschen, wandern die Keime über den Mund in den Darm und können dort die Ursache für eine Durchfallerkrankung sein. Bis krankheitsspezifische Symptome auftreten, können bis zu drei Tage vergehen. Das Magen-Darm-Virus kann nach der Ausscheidung mehrere Tage überleben.

Achten Sie auch zu Hause auf Hygiene

Ist ein Familienmitglied an Brechdurchfall erkrankt, so sollten sich alle anderen regelmäßig die Hände waschen. Bad und Toilette sollten Sie gründlich sauber halten und die Wäsche täglich wechseln. Ganz wichtig ist ein eigenes Handtuch zum Abtrocknen. Hier erhalten Sie mehr Informationen zur richtigen Hygiene.

Rotavirus – meist sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen

Rotaviren sind ebenfalls Erreger, die eine Durchfallerkrankung auslösen – die sogenannte Rotavirus-Gastroenteritis. Eine Infektion mit Rotaviren kann einen relativ harmlosen Verlauf nehmen. Unter Umständen rufen die Erreger jedoch schwere Durchfälle hervor, die mit Fieber und Erbrechen einhergehen. Dem wässrigen Durchfall kann Schleim beigemengt sein. Entsprechende Symptome eines schweren Verlaufs entwickeln sich mitunter innerhalb weniger Stunden.

In Folge der Durchfälle und des Erbrechens kann es zu starkem Flüssigkeitsverlust kommen, der insbesondere für Kinder gefährlich ist. Für ältere Menschen und Patienten, deren Immunsystem besonders geschwächt ist oder mittels Medikamenten unterdrückt wird (beispielsweise nach einer Transplantation), können die Durchfälle ebenfalls ernste Folgen haben. Am häufigsten treten schwere Erkrankungsfälle bei Kindern unter drei Jahren auf.

Die Tatsache, dass eine Rotavirus-Gastroenteritis unterschiedlich schwer verlaufen kann, erschwert Diagnose und Behandlung. In der Regel wird anhand einer Stuhlprobe festgestellt, ob eine Infektion durch Rotaviren vorliegt. Eine entsprechende Erkrankung kann bis zu acht Tage dauern. Infektionen durch Rotaviren treten gehäuft in den Wintermonaten auf. Trockene Heizungsluft begünstigt die Vermehrung der Keime.

Behandeln und vorbeugen

Rotaviren werden in erster Linie durch Schmierinfektionen (fäkale und orale Ausscheidungen) übertragen. Die Rotaviren sind widerstandsfähig und überleben einige Tage nach der Ausscheidung. Bereits zehn Rotaviren können im menschlichen Körper eine Durchfallerkrankung auslösen. In der Regel treten erste Symptome ein bis drei Tage nach der Ansteckung mit Rotaviren auf. Die beste Vorbeugung ist, ähnlich wie bei Noroviren, die allgemeinen Hygienestandards einzuhalten.

Darüber hinaus sind in Deutschland seit 2006 zwei Impfstoffe gegen Rotaviren für Säuglinge ab der 6. bis zur 26. Lebenswoche verfügbar. Die beiden Schluckimpfungen werden von der Ständigen Impfkommission (STIKO) derzeit allerdings nicht empfohlen. Eltern, die eine Impfung gegen Rotaviren in Erwägung ziehen, sollten sich mit einem Arzt in Verbindung setzen.

Spezielle Therapien bei einer Norovirusinfektion gibt es nicht. Vielmehr gelten die allgemeinen Behandlungsempfehlungen bei einer Durchfallerkrankung. Ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen ist am wichtigsten. Generell sollten Eltern mit einem Kind, das an Durchfall leidet, zum Arzt gehen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.05.2012
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Robert Koch-Institut: Noroviren. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten. Stand 2009
  • Robert Koch-Institut: Rotaviren. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten. Stand 2009
  • Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 2/2007
  • Robert Koch-Institut: Salmonellose. Merkblatt für Ärzte. Stand 2009
  • Johannes-Martin Hahn: Checkliste Innere Medizin. Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2006
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