Stadieneinteilung der diabetischen Retinopathie

Bei der diabetischen Retinopathie (diabetische Netzhauterkrankung) unterscheidet man verschiedene Stadien, von denen nur das Anfangsstadium umkehrbar ist:

  • Im Anfangsstadium kann der Augenarzt die Gefäßschädigung nur aufgrund einiger weniger Blutungen auf der Netzhaut erkennen. Sie können kombiniert sein mit Erweiterungen der kleinsten Gefäße (Mikroaneurysmen). Der Betroffene bemerkt in diesem Anfangsstadium noch keine Sehverschlechterung, die beschriebenen Veränderungen können sich von selbst zurückbilden. Genau zu diesem Zeitpunkt ist es ausgesprochen wichtig, den Blutzucker und vor allem auch den Blutdruck optimal einzustellen.
  • Im darauf folgenden Stadium der nicht-proliferativen Retinopathie werden kleine Netzhautinfarkte – also Bereiche, wo die Netzhaut wegen zu geringer Durchblutung abgestorben ist, sichtbar. Sie werden Cotton-wool-Flecken genannt, da sie an Baumwollflecken erinnern. Die nicht-proliferative Retinopathie ist Ausdruck der chronischen Durchblutungsstörung der Netzhaut.
  • Im nächsten Stadium, der proliferativen Retinopathie bilden sich kleinste Gefäße neu (Proliferation = Wucherung). Dies geschieht auch im Kammerwinkel. Folge kann ein Glaukom sein, da das Kammerwasser nicht mehr gut abfließt. Die neu gebildeten Gefäße sollen die vorhandenen geschädigten und verschlossenen ersetzen. Das genau schaffen sie aber nicht, da sie von äußerst schlechter Qualität sind, schnell einreißen und dann zu Blutungen führen. Durch den so getrübten Glaskörper kann das Licht nicht ungehindert auf die Netzhaut treffen. Außerdem tritt schnell Flüssigkeit aus den Gefäßwucherungen aus, und es bilden sich Schwellungen. Tritt solch eine Schwellung genau an der Stelle des schärfsten Sehens auf, kann dies zu einer dramatischen Sehverschlechterung führen.
  • Autor/in: Dr. med. Karen Strehlow, Ärztin und Fachzeitschriftenredakteurin, Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • Quellen: Augenklinik des UniversitätsSpital Zürich
  • H. J. Küchle, H. Busse, M. Küchle: Taschenbuch der Augenheilkunde, Verlag Hans Huber 1998
  • Interviews mit Dr. Christine Stamm, Leiterin der Beratungsstelle für Sehbehinderte in Berlin und Dr. Anja Liekfeld, Oberärztin an der Universitäts-Augenklinik der Charité in Berlin
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