Therapie von Depressionen: Johanniskraut

Schon lange ist Johanniskraut in der Pflanzenheilkunde für seine stimmungsaufhellende Wirkung bekannt. Inzwischen konnten Studien die Wirksamkeit auch medizinisch belegen.

Hypericum perforatum so der wissenschaftliche Name von Johanniskraut, ist ein in ganz Europa weit verbreitetes, gelb blühendes Kraut. Seine medizinische Anwendung lässt sich mehr als 2.000 Jahre zurückverfolgen. Johanniskraut ist somit eine der ältesten Arzneipflanzen. Es wird vor allem zur Therapie von leichten und mittelschweren Depressionen eingesetzt.

Wirkungsweise

Inzwischen konnte die Wirkung des Hyperforin, dem wirksamen Hauptbestandteil der Pflanze, auf die psychische Verfassung durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt werden. Wahrscheinlich verhindern oder verzögern Inhaltsstoffe in Johanniskraut den Abbau der Neurotransmitter, die Nervenbotenstoffe bleiben dadurch länger aktiv, Depressionen werden abgemildert. Vor allem zur Therapie von leichten und mittelschweren Depressionen, Verstimmungen und Niedergeschlagenheit sind Johanniskrautextrakte gut geeignet. Zu beachten ist jedoch, dass die verschiedenen angebotenen Präparate unterschiedlich zusammengesetzt sind und Hyperforin in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Johanniskraut sind relativ gering. In einigen Fällen können leichte Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen, Müdigkeit oder Unruhe auftreten. Eine weitere Nebenwirkung betrifft vor allem hellhäutige Menschen: Johanniskrautpräparate können die Sonnenempfindlichkeit erhöhen. Deshalb sollte während der Therapie und bis zu einer Woche nach Absetzen auf ausgedehnte Sonnenbäder verzichtet werden.

Wechselwirkungen

Beachtet werden sollten bei einer Therapie mit Johanniskrautpräparaten vor allem die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, vor allem mit sogenannten oralen Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille). In Schweden, aber auch England wurden mehrere Frauen trotz regelmäßiger Pilleneinnahme schwanger, weil Johanniskraut offensichtlich den Abbau der Hormone im Körper beschleunigt hatte. Auch scheint es Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut und bestimmten Narkosemitteln zu geben. Es konnte festgestellt werden, dass Johanniskraut ein bestimmtes Enzym aktiviert, das den Abbau anderer Wirkstoffe beschleunigt und deren Wirksamkeit somit beeinträchtigen kann. Deshalb kann der Blutspiegel gleichzeitig eingenommener Medikamente, wie zum Beispiel Hormone, Kumarine, Theophyllin oder Digoxin, gefährlich absinken und ihre Wirkung somit verloren gehen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 31.08.2012
  • Autor/in: Dr. med. Michaela Axt-Gadermann, Hautfachärztin und Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: G. Nissen: Depressionen, Kohlhammer Verlag 1999
  • G. Niklewski, R. Riecke-Nikleswski.: Depressionen überwinden, Stiftung Warentest 1998
  • M. Wolfersdorf: Depressionen erkennen, verstehen, behandeln, Psychiatrie-Verlag 2001
  • Kompetenznetz Depression
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