Symptome: Wie äußert sich eine Depression?

Die Anzeichen einer Depression können sehr unterschiedlich sein, wodurch die Gefahr einer Fehldiagnose durch den Therapeuten groß ist: Die Symptome der Depression betreffen nämlich nicht immer nur das Gefühlsleben, sondern können sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise äußern. 

Frau blickt traurig aus Fenster © Thinkstock
Neben andauernder gedrückter Stimmung, Ängsten, Sorgen oder Verzweiflung können körperliche Leiden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Haarausfall oder schwere Atmung die ersten Anzeichen sein. Neben diesen Schwierigkeiten, eine Depression zu erkennen, werden viele Depressionen nicht erfasst, weil die Betroffenen sich schämen, mit ihren Symptomen zum Arzt zu gehen.

Die drei Hauptsymptome

  • Antriebslosigkeit
    Menschen mit einer Depression sind kraftlos, ergreifen nicht mehr die Initiative, sie sind rasch erschöpft, manchmal apathisch, Antrieb und Schwung fehlen. Jede Bewegung scheint zu viel zu sein. Selbst alltägliche Verrichtungen erfordern größte Anstrengung. Typisch ist das sogenannte „Morgentief“.
  • Niedergeschlagenheit
    Die Stimmung ist bei einer Depression herabgesetzt, schwermütig, alles scheint trostlos und ohne Sinn zu sein. Es dominieren Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit und inneren Leere.
  • Interesselosigkeit
    Das Interesse für Dinge und Tätigkeiten, die früher eine Bedeutung hatten, geht verloren. Die Betroffenen vermeiden soziale Kontakte, stellen Hobbys ein, können ihre Arbeit nicht mehr bewältigen und ziehen sich ins Bett zurück. Oft kommt es zu einer völligen Gleichgültigkeit. Depressive Menschen klagen oft über eine „Leere im Kopf“. Ein wichtiger Hinweis auf eine Depression ist die Aussage: „Ich habe an nichts mehr Freude“. Als weiteres Symptom ist die Mimik und Gestik bei vielen Patienten wie erstarrt, die Stimme leise und monoton.

Neben den drei Hauptsymptomen der Depression gibt es noch viele weitere Symptome, die man als Nebensymptome bezeichnet und die für die Einteilung des Schweregrades einer Depression wichtig sind. Nebensymptome können sowohl das seelische als auch das körperliche Befinden betreffen.

Seelische Symptome der Depression

  • Angst
    Ein weiteres Symptom der Depression ist die Angst. Depressive Menschen leiden häufig unter Angstzuständen bis hin zu Panikattacken. Häufig bestehen Trennungs- und Verlustängste, Angst zu versagen, Angst vor der Zukunft oder Angst vor sozialen Kontakten. Aufgaben, die früher mühelos bewältigt wurden, scheinen die Betroffenen nun nicht mehr gewachsen zu sein. Eine Angst vor Verarmung kann sich beispielsweise bis zu einem Verarmungswahn steigern.
  • Gefühl der inneren Leere
    Alle Empfindungen scheinen abgestorben zu sein, die Betroffenen fühlen sich leer, ausgebrannt, wie versteinert. Viele sind unfähig, zu trauern oder zu weinen. Depressive Menschen klagen oft über ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“ und die Unfähigkeit überhaupt noch Gefühle empfinden zu können („Ich bin wie versteinert.“).
  • Antriebssteigerung und innere Unruhe
    Depressionen können sich auch durch Symptome wie Unruhe, Nervosität, „unter Strom stehen“ und Rastlosigkeit (Fachausdruck: Agitiertheit, agitierte Depression) äußern. Einige Patienten laufen unruhig, verzweifelt und wie getrieben umher.
  • Pessimismus
    Probleme werden überbewertet, es werden nur noch die negativen Seiten gesehen. Die Betroffenen sind oft ratlos, verzagt, pessimistisch.
  • Mangelndes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
    Betroffene entwickeln als Symptom der Depression in vielen Fällen eine pessimistische Einstellung gegenüber sich selbst, den eigenen Fähigkeiten, dem eigenen Aussehen oder der Zukunft. Für depressive Menschen scheint nicht nur die Umwelt grau in grau, auch das Selbstbewusstsein und die realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten geht verloren. Die Betroffenen leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen und einer allgemeinen Unsicherheit, oft verbunden mit starker Grübelneigung.
  • Beeinträchtigtes Zeitgefühl
    Ein weiteres Symptom ist oft ein gestörtes Zeiterleben, die Zeit scheint nicht zu vergehen, es fehlt das innere Bild für Zeitabläufe.

Körperliche Symptome der Depression

Depressionen können mit vielfältige körperliche (somatische) Begleiterscheinungen einhergehen. Nicht selten konzentrieren sich die Betroffenen sehr stark auf diese körperlichen Beschwerden und vermuten hinter den Symptomen eine organische Erkrankung.
  • Schlafstörungen
    Die häufigsten und oft ersten Symptome einer Depression sind meist Schlafstörungen. Typisch sind Ein- und Durchschlafstörungen, ein insgesamt unruhiger Schlaf und frühes Erwachen mit einer bleiernen Müdigkeit am Tag.
  • Kopfschmerzen
    Gelegentlich klagen depressive Menschen über Kopfschmerzen beziehungsweise einen Kopfdruck, der sich wie „ein stählernes Band um den Kopf legt“. Die dumpfen drückenden Schmerzen ähneln den Symptomen des Spannungskopfschmerzes.
  • Appetitlosigkeit
    Depressive Menschen haben häufig keinen Appetit. Durch die eingeschränkte Nahrungszufuhr ist ein Gewichtsverlust von zehn und mehr Kilogramm innerhalb kürzester Zeit keine Seltenheit, die Betroffenen sehen dadurch oft krank aus. Sowohl der Arzt als auch der Patient konzentrieren sich dann häufig auf die Suche nach der körperlichen Ursache der Appetitlosigkeit. „Ich bekomme keinen Bissen mehr herunter,“ ist eine geläufige Aussage der Patienten.
  • Heißhunger
    Sehr viel seltener als Appetitlosigkeit kann auch starker Heißhunger ein Symptom einer Depression sein.
  • Magen- und Darmstörungen
    Viele Depressive klagen über Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Aufstoßen, Schmerzen in der Magengrube, Druck- und Völlegefühl werden beschrieben. Außerdem können sowohl Verstopfung als auch Durchfall zu den Symptomen einer Depression gehören. Alle Magen-Darm-Störungen können sowohl durch die Erkrankung als auch durch Medikamente gegen die Depression (Antidepressiva) hervorgerufen werden.
  • Beschwerden von Herz, Kreislauf und Lunge
    Kreislaufstörungen, Schwindel, Stechen oder Druckgefühl in der Herzgegend, Engegefühl in der Brust, Atemnot sind Symptome, über die gelegentlich im Zusammenhang mit einer Depression geklagt wird.
  • Sexualität
    Bei fast allen Betroffenen führt die Erkrankung zu einem nachlassenden Interesse an der Sexualität (Libido). Viele Depressive klagen auch über Erektionsstörungen, Trockenheit der Schleimhäute oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
  • Sonstige Beschwerden
    Trockene Schleimhäute, starkes oder vermindertes Schwitzen, Kloßgefühl im Hals, Verspannungen, Rücken- und Muskelschmerzen, Störungen der Tränensekretion („tränenlose Trauer“) können ebenfalls zu den Symptomen einer Depression gehören.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.04.2015
  • Autor/in: Dr. med. Michaela Axt-Gadermann, Hautfachärztin und Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: G. Nissen: Depressionen, Kohlhammer Verlag 1999
  • G. Niklewski, R. Riecke-Nikleswski.: Depressionen überwinden, Stiftung Warentest 1998
  • M. Wolfersdorf: Depressionen erkennen, verstehen, behandeln, Psychiatrie-Verlag 2001
  • Kompetenznetz Depression
  • Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-005l_S3_Unipolare_Depression_2012-01_01.pdf)
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