Pflege bei Depressionen

Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Angst – typische Symptome einer Depression. Besonders bei älteren, pflegebedürftigen Menschen ist diese psychische Erkrankung keine Seltenheit.

deprimierte Seniorin © Thinkstock
Der Verlust nahestehender Personen, nachlassende soziale Kontakte, Krankheiten und mangelnde Selbstständigkeit belasten die Seele. Die Pflege eines depressiven Menschen bedeutet eine ganz besondere Herausforderung – für die tägliche Betreuung und auch die eigene Psyche.

Pflege von depressiven Pflegebedürftigen – Belastung für alle Beteiligten

Die Pflege depressiver Menschen ist für die Pflegenden meist sehr belastend, denn die Hoffnungslosigkeit der Betroffenen schlägt auch ihnen häufig aufs Gemüt. Darüber hinaus können auch bei den alltäglichen Aktivitäten Probleme aufgrund der Erkrankung auftreten.

Hilfe beim Kommunizieren – verständigen und verstehen

Depressive Menschen ziehen sich entweder zurück und sprechen gar nicht mehr oder sie beklagen sich häufig, jammern und weinen. Das macht es den Pflegepersonen schwer, vernünftig mit Betroffenen zu kommunizieren. Pflegende sollten versuchen, dem Pflegebedürftigen durch ihre Körpersprache Geduld und Akzeptanz zu signalisieren und ihn ermutigen, über seine Gefühle zu sprechen. Wenn der Betroffene es zulässt, kann der Pflegende ihm auch das Gefühl von Nähe vermitteln – indem er einfach nur seine Hand hält.

Wichtig ist, die Äußerungen des Pflegebedürftigen nicht zu bewerten – zum Beispiel indem man sagt: „So schlimm ist es doch gar nicht!“ Solche Äußerungen vermitteln ihm das Gefühl, nicht verstanden zu werden und allein zu sein. Auch Mitleid ist wenig hilfreich: Denn durch Trost fühlt sich der Betroffene ebenfalls unverstanden. Der Pflegende sollte ihm stattdessen neutral zeigen, dass er seine Gefühle wahrnimmt, indem er sie ausspricht – etwa: „Du siehst heute sehr traurig aus.“ Das kann dem Pflegebedürftigen einen Anstoß geben, darüber zu sprechen.

Hilfe beim Bewegen, Kleiden und bei der Körperpflege – Motivation für den Alltag

Da Menschen mit Depressionen häufig unter Antriebsstörungen leiden, verkriechen sich viele am liebsten den ganzen Tag im Bett. Pflegende sollten die Betroffenen ermuntern, zu einer angemessenen Uhrzeit aufzustehen und sich nicht wieder ins Bett zu legen – denn das könnte Schlafstörungen zur Folge haben. Leidet der Depressive bereits unter Schlafstörungen, können abends Entspannungsübungen, Abendrituale und schlaffördernde Tees oder pflanzliche Mittel helfen. Liegt der Pflegebedürftige nachts wach, ist es besser, ihn zu beschäftigen, als ihn stundenlang grübeln zu lassen.

Auch für die Körperpflege und das Ankleiden fehlt einem depressiven Menschen häufig der Antrieb. Hier ist es wichtig, ihm nicht alles abzunehmen, sondern ihn nach den Grundsätzen der aktivierenden Pflege nur zu unterstützen und so viel wie möglich selbst machen zu lassen. Der Pflegende sollte dem Pflegebedürftigen dabei die Zeit geben, die er benötigt, ihn respektieren und nicht kritisieren.

Hilfe beim Essen und Trinken – den Genuss zurückbringen

Auch Appetitlosigkeit ist ein Symptom der Depression. Der Pflegende sollte deshalb ein Auge darauf haben, ob der Betroffene ausreichend isst und trinkt. Meist ist es förderlich, ihm seine Lieblingsgerichte anzubieten. Verweigert der Pflegebedürftige jegliche Nahrungsaufnahme, sollte ein Arzt hinzugezogen werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.04.2015
  • Autor/in: Nina Prell, Medizinredakteurin, vitanet.de; inhaltliche Qualitätssicherung: Dr. Markus Dietl, Pflegewissenschaftler; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Köther, Ilka (2011): THIEMEs Altenpflege; 3. Auflage
  • Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-005l_S3_Unipolare_Depression_2012-01_01.pdf)
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