Wohnraumanpassung bei Demenz – Ängste vermeiden

Mehr Orientierung und Sicherheit in der eigenen Wohnung

Menschen mit Demenz haben häufig Schwierigkeiten, sich in ihrer Wohnung zurechtzufinden. Das kann Unsicherheit, Trauer oder Aggressionen auslösen. Kleine Anpassungen helfen, mehr Orientierung und Sicherheit zu geben.

Reizüberflutung verhindern – Schatten vermeiden

Generell sollte die Wohnung einfach und übersichtlich gestaltet sein. Starke Muster – zum Beispiel an Tapeten, auf Teppichen und Vorhängen – können manche Erkrankte verwirren und zu einer Reizüberflutung führen. Der Grund: Demenzkranke nehmen Farben, Muster, Licht und Schatten oft anders wahr als gesunde Menschen. Auch die räumliche Wahrnehmung kann gestört sein. Daher sind dezente oder gar keine Muster in der Wohngestaltung geeigneter.

Der Fußbodenbelag und Oberflächen von Tischplatten oder Schränken sollten nicht reflektieren. Auch spiegelnde Böden sollten vermieden werden – sie können die Sturzangst erhöhen.

Das Licht in der Wohnung sollte möglichst wenig Schatten werfen – diese können Angst erzeugen: Dunkle Ecken wirken für Erkrankte häufig wie Löcher.
Leuchten Sie daher die Wohnung und – wenn möglich – auch das Treppenhaus überall mit hellem blendfreiem Licht aus. Optimal eignen sich Lampen mit 500 Lux, die etwa in 20 Zentimetern Höhe über dem Fußboden angebracht sind.

Orientierung bieten: zentrale Anlaufpunkte markieren

Erinnert sich der Erkrankte manchmal nicht mehr daran, was sich hinter den Türen in Ihrer Wohnung befindet? Dann hilft es, auf den Türen Piktogramme oder Bilder anzubringen, die zeigen, um welchen Raum es sich handelt. Auch farbig gekennzeichnete oder extra hell beleuchtete Türen können dem Betroffenen helfen, die zentralen Anlaufpunkte in der Wohnung leichter wiederzuerkennen. Wenn möglich, können Sie die Türen auch einfach offen stehen lassen – so bieten Sie dem Erkrankten möglichst große Bewegungsfreiheit und vermeiden Barrieren. Nicht genutzte Türen sollten ausgehängt werden.

Selbstständigkeit fördern – ausgewählte Kleidung und Bilder helfen

Ist die Kleidung im Schrank gut strukturiert, kann sich der Betroffene eventuell noch lange selbst an- und auskleiden. Dabei hilft es, nicht zu viel Auswahl anzubieten. Sind an den Türen zusätzlich Fotos oder Bilder angebracht, die den jeweiligen Inhalt zeigen, fällt die Orientierung leichter.

Ausreichende Beleuchtung – auch nachts wichtig

Neben dem Bett sollte eine einfach zu bedienende Lampe mit gut erreichbarem Schalter stehen. Nachtlichter können dem Erkrankten helfen, auch im Dunkeln den Weg zur Toilette zu finden.

Hilfreich ist es, Bewegungsmelder oder Lichtschranken – beispielsweise am Bett – mit Lampen zu verbinden. Steht Ihr Angehöriger aus dem Bett auf, geht das Licht automatisch an und weist ihm den Weg zum Badezimmer. Dabei ist darauf zu achten, dass das Licht lange genug an bleibt und die Schaltung nicht zu leicht ausgelöst wird. Wichtig: Der Erkrankte muss verstehen, warum das Licht automatisch an- und ausgeht – sonst kann ihn das verunsichern.

Zeit und Datum – Lesbarkeit und Symbole bieten Orientierung

Zur zeitlichen Orientierung helfen Uhren mit gut lesbaren Ziffern und großen Zeigern. Auch Kalender sollten mit großen Zahlen und Symbolen der jeweiligen Jahreszeit (Frühling, Sommer, Herbst, Winter) versehen sein.

Angstauslösende Quellen beseitigen

Spiegel können Demenzkranke irritieren. In einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann es vorkommen, dass sich die Betroffenen selbst nicht mehr erkennen und denken, eine fremde Person sei in der Wohnung. In diesem Fall sollten alle Spiegel aus der Wohnung entfernt werden.

Viele Betroffene kommen im weiteren Verlauf der Demenzerkrankung auch mit dem Fernsehen nicht mehr zurecht. Personen aus Fernsehsendungen können als Eindringlinge wahrgenommen werden. Dann sollte der Fernseher weggeschlossen, verhängt oder entfernt werden. Ein Radio kann ebenfalls Angst auslösen, wenn der Erkrankte die fremden Stimmen nicht mehr zuordnen kann.

>> Hier finden Sie alle Maßnahmen als Checkliste (PDF, 378 KB)
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.02.2015
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitanet.de; Tobias Kraft, Dipl.-Ergotherapeut (FH), Evangelische Geriatriezentrum Berlin.
  • Quellen: Universität Witten/Herdecke: Leitlinie für Betroffene, Angehörige und Pflegende: Demenzkrankheit (Alzheimer und andere Demenz-Formen) (http://www.patientenleitlinien.de/Demenz/demenz.html)