Demenz und Morbus Alzheimer: weitere nicht-medikamentöse Therapien

In der Therapie von Demenz stehen neben der Verhaltenstherapie weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Verfügung, die die Hirnleistungsfähigkeit verbessern und das Wohlbefinden des Demenzkranken fördern sollen.

Zu diesen Maßnahmen gehören ergotherapeutische Angebote sowie krankengymnastische Übungen, die gleichzeitig das Selbst- und Körperbewusstsein des Patienten stärken. Besondere Therapieformen wie die Erinnerungs-, Musik- oder Kunsttherapie geben dem Patienten ein positives Feedback und helfen ihm, mit seiner Erkrankung umzugehen.

Selbst-Erhaltungs-Therapie - SET: Erinnerungen wirken stabilisierend

Eine spezielle Form der Erinnerungstherapie ist die Selbst-Erhaltungs-Therapie (SET). Zentraler Begriff der SET ist das „Selbst“. Vereinfacht formuliert umfasst das Selbst unser Wissen um die eigene Person und die Welt, unsere lebenslangen Erfahrungen und die daraus abgeleiteten Bedürfnisse. Die für eine Demenzerkrankung typischen Erfahrungen zu versagen und zunehmend von anderen Menschen abhängig zu sein, stellt dabei eine Bedrohung für das Selbst dar.

Ziel der SET ist, ein stabiles Selbst zu erhalten, trotz fortschreitender Erkrankung. Damit soll sinnvolles Verhalten länger erhalten, störendes Verhalten vermieden und psychisches Leiden beschränkt werden.

Die zentralen Anteile des Selbst werden mit einer speziellen Interviewtechnik ermittelt und dokumentiert. Aus persönlich bedeutsamem Material wie Videos, Urlaubsfotos oder Zeugnissen wird dann eine „Erinnerungsmappe“ hergestellt. Die Beschäftigung mit dieser Erinnerungsmappe stimuliert Lebenserinnerungen, die stabilisierend wirken, zum Beispiel weil sie:
  • das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl steigern können.
  • helfen, den Sinn und die Ziele des eigenen Lebens zu erkennen.
  • die starke Seite von älteren Menschen darstellen. Das weckt das Gefühl der Sicherheit und Kompetenz.
  • eine zeitweilige Distanz zu gegenwärtigen Problemen schaffen.
Wichtig ist außerdem:
  • falls möglich, Veränderungen zu vermeiden. Dies unterstützt das Streben der Alzheimer-Patienten nach einem kontinuierlichen Selbst. Es wird empfohlen, die Wohnumgebung mit vertrauten Geräten, Kulturgegenständen, Möbeln und anderem unverändert zu lassen.
  • für kleine Erlebnisse zu sorgen, etwa einen Ausflug, ein Geschenk, eine Einladung oder einen Besuch beim Frisör.
  • eine Bezugsperson. Dies ist besonders im Pflegeheim wichtig. Eine Bezugsperson kann hier allein durch ihre Anwesenheit mehr Zuversicht vermitteln als viele Worte und Erklärungen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.02.2015
  • Autor/in: Dr. phil. Dipl.-Psych. Gernot Lämmler, leitender Neuropsychologe am EGZB; Dipl.-Psych. Stefan Mix, stellv. leitender Neuropsychologe am EGZB; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: G. Lämmler, J. Herms und B. Hanke: Demenz. In E. Steinhagen-Thiessen und B. Hanke (Hrsg.): Neurogeriatrie auf einen Blick, Blackwell-Verlag 2003
  • G. Krämer: Alzheimer Krankheit - Antworten auf die häufigsten Fragen, Reihe TRIAS ärztlicher Rat, Georg Thieme Verlag 2000
  • Universität Witten/Herdecke: Leitlinie für Betroffene, Angehörige und Pflegende: Demenzkrankheit (Alzheimer und andere Demenz-Formen) (http://www.patientenleitlinien.de/Demenz/demenz.html)