Demenz und Morbus Alzheimer: Feiern mit Demenzkranken

Menschen mit fortgeschrittener Demenz leben in ihrer eigenen Welt und kommunizieren kaum mehr. Für ihre Angehörigen ist dies oft schwer erträglich.

Paar feiert Weihnachten © iStock
Doch beispielsweise das Weihnachtsfest bietet eine Möglichkeit, die Mauer zum geliebten Familienmitglied zu durchbrechen: Weihnachten ist eine gute Gelegenheit, Demenzkranke auf der Gefühlsebene anzusprechen. Rituale wie das Singen von Weihnachtsliedern und der Gottesdienstbesuch verleihen dem Demenzkranken Sicherheit und Geborgenheit: Sie erinnern ihn an die Vergangenheit, der er sich aufgrund seiner Krankheit mehr verbunden fühlt als der Gegenwart.

Vorsicht vor Reizüberflutung

Abzuraten ist allerdings vor einem allzu rauschenden Fest mit großer Gesellschaft und Geschenke-Schlachten. Demenzkranken fehlt aufgrund hirnorganischer Veränderungen ein Abschirmmechanismus, sodass akustische und visuelle Reize sie ungefiltert erreichen. Hinzu kommt: Sie können die Reize nicht mehr richtig zuordnen. Gerade zu Silvester ist deshalb Vorsicht geboten, da laute Knallerei Demenzkranke leicht in Angst und Panik versetzt.

Zu berücksichtigen ist jedoch: Jede Demenzerkrankung äußert sich unterschiedlich. Es ist gut möglich, dass der eine oder andere Demenzkranke ein Feuerwerk oder Böller-Knallen durchaus genießt. Es ist sogar möglich, dass ein Demenzkranker Silvester Weihnachten vorzieht, beispielsweise weil er das Weihnachtsfest als zu sentimental empfindet.

Nicht jeder Alte liebt die alten Zeiten

Die seit einigen Jahren in der Altenpflege beliebte Biografiearbeit darf nicht zu Kurzschlüssen verleiten: Nur, weil ein alter Herr in einer Wohnung mit Kohleofen und Gelsenkirchener Barock aufgewachsen ist, bedeutet dies nicht, dass er diese Dinge gutheißt. Ganz im Gegenteil: Es kann sogar sein, dass er sie verabscheut, da er sie mit Entbehrung, Prüderie oder unglücklichen Familienverhältnissen verbindet.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.02.2015
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Dr. med. Maria B. Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin und Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Evangelisches Geriatriezentrum Berlin (EGZB)
  • Universität Witten/Herdecke: Leitlinie für Betroffene, Angehörige und Pflegende: Demenzkrankheit (Alzheimer und andere Demenz-Formen) (http://www.patientenleitlinien.de/Demenz/demenz.html)